Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1907)
- Date
- 1907-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 155 judentum und Orthodoxie und alle die andern, ohne historischen Hintergrund. Nur eines hat historischen Hintergrund und Wert und das heisst ^Judentum* und ist kein Schlagwort. Das war das Ehrenwort der Vereine jüdischer Studenten. Und soll es bleiben. Das Wort muss starr sein für den Verein als Gesamtheit. Der einzelne mag es sich deuten nach persönlichem Belieben. Nur eins darf er nicht vergessen: Was der andere deutet auf so verschiedene Art, ist dasselbe Wort »Judentum*, das auch ohne Deutung für die Gesamtheit eine Bedeutung hat. Lassen wir jede Schlagwort-Politik weg. Und alle Zukunftspolitik! Arbeiten wir im ,B. J. C/ an ,B. j". C*-Politik. Ohne ein anderes Programm. An »Sammelpunkt für bewusstes Judentum.* Ohne Deutung. Deutung für die Allgemeinheit heisst Programm. Und Programm ist hier Gefahr. Quod. erat demonstrandum. Wert und Aufgaben des Fuxen-Coiivents. Vier Fuxen-Convente haben sich bis jetzt aufgetan: in Berlin, Charlottenburg, Breslau und Freiburg, und hoffentlich werden es noch mehr. Freilich schüttelte mancher ältere Bbr. sein Haupt und spöttelt darüber, welchen Unsinn die krummen Füxe auf ihren?Conventen" anrichten werden. Da scheint es doch angebracht, einmal auszusprechen, was der F. C. eigentlich will. Ich weiss nicht, wie sich die Füxe der anderen F. C. dazu stellen, und kann im Folgenden nur die Ansicht des Charlottenburger F. C. vertreten. Es ist unleugbar, mit dem Augenblick, in dem der Fux in den V. J. St. eintritt, gibt er so ziemlich allen Verkehr mit anders denkenden Kommilitonen auf, Juden wie Christen. Und darin liegt die grosse Gefahr, dass er zu leicht einseitig wird. Fr wird im Verein nur in jüdisch-wissenschaftlichen Dingen unterrichtet, nur Werke jüdischen Inhalts werden ihm zur Lektüre empfohlen. Interessiert er sich für andere Gebiete, so muss er sich damit privatim beschäftigen, wenn er nicht zufällig Bundesbrüder mit gleichem Interesse findet. (Es bilden sich dann Absonderungen nach Art der »ästhetischen Ecke*). Anregungen wird er sonst selten aus dem Kreise seiner Bbr. Bbr. finden. Und doch ist grade der Wert der Anregungen nicht zu unterschätzen Ich möchte als erstrebenswertes Beispiel die Finkenschaften anführen, soweit sie gut organisiert sind, wie in Berlin, Charlottenburg und Hannover. In ihnen finden sich die heterogensten Elemente zusammen; durch ihre Abteilungen und Veranstaltungen suchen sie die Einseitigkeit des Fachstudiums nach Möglichkeit auszugleichen. Es ist klar, dass der Verein uns das nicht bieten kann. Er hat anderes zu leisten. Hier soll die Arbeit des F. C. einsetzen — die Füxe haben ja noch am meisten Zeit und jugendlichen Eifer» — Es sei seine erste Aufgabe, der ein-