Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1907)
- Date
- 1907-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Der jüdische Student. ist, ist kein Jude mehr (oder noch nicht). „Bewusst—jüdisch" ist daher keine Kategorie, sondern ein übergeordneter Begriff. Und „B. J. C." ist also kein Programm. Er hat nur eine „Methodik". Wie er erziehen will. Zu „Juden" will er sie erziehen. Sie hinweisen auf gemeinsame Geschichte und gemeinsames Geschick und gemeinsame Interessen. Will, was der Unterbegriff scheidet und trennt, verbinden und sammeln unter der grossen Fahne des Heeres über die Fähnchen der Regimenter hinweg. Was will man aber heute anderes? Und das ist die Gefahr. Man beobachte nur das Ringen nach Klarheit, und Klärung, das im verflossenen Semester die Blätter unserer Zeitung füllte. Dies Ringen nach etwas, was fehlt, nach einer Entschiedenheit verrät eine innere Nervosität — einen — es tut mir leid — angekränkelten Zustand. Der Streit um „die orthodoxe Unduldsamkeit", um ein Beispiel herauszugreifen, ist solch ein prinzipieller und darum nicht zu unterschätzender Vorfall Als wenn es nicht nebensächlich wäre, was der Orthodoxe denkt von dem Verhältnis zwischen ihm und den nicht-orthodoxen Bundesbrüdern. Jeder überzeugungstreue Mensch ist orthodox, d. h. er hält seine Ueberzeugung für die richtige. Oder er ist indifferent. Das sind kontradiktorische Gegensätze. Aber warum sucht man das Trennende? Warum betont man orthodox und nicht — orthodox, warum nicht den „Juden"? W^arum genügt uns nicht, dass wir zusammen auf einem grossen Boden stehen, der dem „B. J. C." genüge tut? „Orthodoxer" und extrem „Liberaler", religiöser und nationaler Jude, Zionist und Nichtzionist. Wenn er nur Jude ist, d. h. bewusster Jude, wenn er den andern achtet und mit ihm zusammenarbeitet, an Zielen und Aufgaben, die er mit ihm teilt. Warum der Lärm? Warum ferner die Auseinandersetzungen über Zionismus im B. J. C"? Das ist System mit oder ohne Absicht. Dasselbe System, das „bewusst-jüd." umwandeln will in „nationaljüdisch". Man gibt dem „B. J. C." ein Programm. Darum der Artikel über „B. J. C.-Politik". Der Verfasser verlangt nicht Politik an und für sich „ohne Hintergedanken", denn die war immer da, er will keine grössere, grosszügigere (obschon das nötig wäre), sondern eben diese Politik „mit Hintergedanken" will er. Systematik und Programmatik im „B. J. C." der keins von beiden gebrauchen kann. Man wendet sich lächelnd ab, vom „B. J. A.;" wenn er nur Leute aufnimmt, die sich nicht rasieren lassen. Man betont den prinzipiellen Unterschied zwischen uns und „K. Z. V.", weil er nur Zionisten aufnimmt. W^as aber tut man selbst? Man schafft auch etwas Programmatisches, will uns, die als freie Juden uns zusammen fanden, in die spanischen Stiefel eines neuen Programms schnüren. Einen neuen ^Stand^punkt will man machen aus dem »Sammelpunkt. Ein neues Schlagwort will man schaffen. Denn das sind ja alles nur Schlagwörter, National-