Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 5 (August 1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 131 zeit mitgeteilt haben, hat sich zu Ende des vorigen Monats eine Versammlung von Vertretern der Korporationen einstimmig für die Begründung eines solchen Ausschusses ausgesprochen. Und nunmehr, am'vorigen Samstag, nachmittags, ist die Begründung des Ausschusses wirklich zustande gekommen i.i einer von dem Rektor, Professor Dr. Knapp, einberufenen zweiten Versammlung, an welcher die Vertreter der an der Universität bestehenden grösseren Verbänden (die Korps, die Burschenschaften, die .Turnerschaften, die farbentragenden und die nichtfarbentragcnden katholischen Verbindungen), die Vertreter der übrigen studentischen Korporationen und fünf Vertreter der nichtinkorporierten Studenten teilnahmen. Der Rektor begrüsste die Versammlung, indem er gleich von vorn herein nachdrücklich betonte, man müsse sich selbstverständlich auf den Standpunkt stellen, da.cs keinerlei Diskussion über die weit auseinandergehenden Anschauungen stattfinden dürfe, die von den verschiedenen Gruppen gehegt weiden; man müsse sich gegenseitig als bestehend anerkennen und nur nach den Formen des gemeinsamen Auftretens suchen; auch was sonst noch an Aufgaben an den Ausschuss herantrete, auch dafür seien die getrennten Anschauungen völlig gleichgiltig. Diese Ausführungen fanden in der Versammlung keinerlei Widerspruch, und nach wenigen unwesentlichen Aeusserungen einigte man sich dahin, dass duch das Los vier Korporationen bestimmt würden, die zusammen mit einem Vertreter der nichtinkorporierten Studenten einen provisorischen Vorstand zu bilden und in erster Linie die endgiltige Beratung der Satzungen herbeizuführen haben. Dazu wurden durch das Los bestimmt: die Verbindungen »Pala tia*, »Germania *, ^Alsatia(< und der Vereindeutscher Studenten. Von dem Vertreter der Burschenschaften wurde dann bemerkt, die Burschenschaften müssten von den katholischen Verbindungen eine grundsätzliche Erklärung über ihr Verhalten in nationalen Fragen verlangen. Dem entgegnete der Rektor, er könne es nicht für richtig halten, derartige prinzipielle Erklärungen zu verlangen; das würde nur zur Folge haben, dass überhaupt nichts zu stände käme. Von dem Vertreter der nichtinkorporierten Studenten wurde die Erklärung abgegeben, er behalte sich für die Beratung der Satzungen die Beantragung einer Bestimmung vor, wonach sich der Ausschuss weder mit politischen noch mit religiösen Fragen zu befassen habe. Nach Schluss der Sitzung trat der provisorische Vorstand alsbald zusammen. Damit hat also die Studentenschaft wieder einen allgemeinen Ausschuss. Der neue Ausschuss ist insofern eine erfreuliche Erscheinung, als sämtliche Verbindungen ihm angehören. Vielleicht gelingt es ihm, den Deutschen Hochschulverband so zu beeinflussen, dass