Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1907-08-01 · Heft 5 (August 1907) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 5 (August 1907)
Date
1907-08-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537641-3537646--0644-3538717
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

130 Der jüdische Student hatte. Eine zweite Versammlung nahm dann offiziell die Gründung des Ausschusses vor, dem vorläufig ein vom Rektor vorgeschlagenes, noch nicht durchberatenes Statut zu Grunde liegt, den genaueren Verlauf der beiden Versammlungen schildern folgende zwei Zeitungsmeldungen : Um die' Frage der Errichtung eines Allgemeinen Studenten-Ausschusses zu erörtern, hatte der Rektor Professor Dr. Knapp eine Versammlung aller studentischen Korporationen einberufen, die am Samstag, nachmittags 4 Uhr, im Senatssaal der Universität stattfand. Der Rektor selbst begrüsste die Versammlung mit sehr herzlichen, aber auch sehr ernsten Worten, in denen er sich unbefangen über das Wesen der studentischen Verbindungen aussprach. Sie seien Vereinigungen, in denen ganz bestimmte Lebensanschauungen und Ideale zum Ausdruck kämen, wobei sich alle möglichen Einflüsse, in allererster Linie die Er- «ziehung in der Familie und die Tradition geltend machten. Damit sei von selber gegeben, dass man nicht etwa die eine oder andere Art als die allein berechtigte anerkennen könne, gleichberechtigt stünden sie vielmehr neben einander und müssten so geduldet werden. Rektor und Senat würden es gerne sehen, wenn sich die Studentenschaft wieder organisierte und damit namentlich eine würdige Vertretung besorgte, wodurch der Glanz der akademischen Feierlichkeiten erhöht würde. Was sonst dem Ausschuss an Aufgaben zufalle, das sei eine spätere Frage, die natürlich nur im Einvernehmen mit dem nichtorganisierten Teil der Studentenschaft, den sogenannten Wilden, zu lösen sei. Von vorne herein aber sei natürlich festzuhalten, dass ein solcher allgemeiner Ausschuss nur denkbar sei, wenn grundsätzlich nicht ein bestimmter Teil der Studentenschaft von vorne herein ausgeschlossen werde; darüber würden nunmehr in erster Linie die studentischen Verbindungen um ihre Meinung befragt, da sie den bereits organisier-ten Teil der Studentenschaft repräsentierten. Alle die vertretenen Verbindungen stimmten alsdann einem wieder zu begründenden allgemeinen Ausschuss rückhaltlos zu, worauf ein kleineres Komite gewählt wurde zur Beratung der Satzungen; darin soll jeder grössere studentische Verband, sowie die übrigen studentischen Verbindungen durch je ein Mitglied vertreten sein. Der Rektor wies noch wiederholt darauf hin, dass er natürlich auch für eine Vertretung der sog. Wildenschaft sorgen werde. Damit ist also erfreulicher Weise das Kriegsbeil zwischen den Verbindungen wieder feierlich begraben worden. An der Universität besteht nun wieder glücklich ein Allgemeiner Aussschuss der Studentenschaft. Wie wir seiner-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.