Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 5 (August 1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Der jüdische Student. werden aus diesen jüdischen Studenten? Eine Vorantwort kann aber geben die Betrachtung der schon jetzt reifen Jahrgänge. Daher mein Vorschlag ist ein Ergänzung der Kirschnerschen Enquete, die dadurch aus einer wissenschaftlichen Unternehmung eine B. I. C.-politische wird. Ruft die seit Jahren Entlassenen zu derr Fahnen und haltet Heerschau! Das klingt komisch. Arrogant und frech, denkt sich entrüstet mancher A. H. Diesen manchen meine ich nicht. Es gibt ja A. H. A. H., die man nicht erst wieder einzuberufen braucht, um ihre Waffentüchtigkeit zu erproben. Aber es sind immer dieselben Namen! Gab es aber in all' den Jahren so wenig Aktive? Es ist keine Faschingsidee! Es sieht nur so her und das ist bedauerlich! Man~hätte schon längst etwas dgl tun müssen. Selbst, wenn, wie ich fürchte, die Resultate unerfreulich sein werden-- lieber Wahrheit und Klarheit, und dann Reform, als weiter ins Dunkle hineinarbeiten, diesem unerfreulichen Resultat zu, ohne es zu kennen. Der Berliner Monatsbericht (I. St. No. 4, S. III) hat mich stutzig gemacht mit seiner Bemerkung von der Indifferenz der ^lieben* A. H. A. IL Sollte Gleichgiltigkeit gegen den Verein nicht ein Sympton sein für Indolenz oder zum mindesten Nichttätigkeit für die Vereinstendenz? Natürlich muss diese Enquete anders vor sich gehen, als die jetzt vorgeschlagene. Wir werden nicht an den einzelnen A. H. herantreten und ihn ausfragen! Da kann er nur reden. Was wir aber wissen wollen, ist, was er tut, wie er lebt in jüdischer Beziehung. Zudem Mündliches und Schriftliches über intim Persönliches immer etwas Verdächtiges hat. Es gehört viel Selbstbeobachtungsgabe und — Aufrichtigkeit dazu von seiten der Objekte dieser Untersuchung, die gleichzeitig ihre Subjekte sind, damit nicht schon von vornherein das Resultat als unbrauchbar und entstellt sich erweist. Ich denke da in erster Linie an Fehler, die bona fide Irrtümern entspringen: Das hängt mit dem eigentümlichen Charakter der von uns geflegten Gesinnung zusammen; solange das bewusste Judentum nichts ist als eben Gefühl, Stimmung, Gesinnung, läuft es Gefahr, einzunicken, unbewusst zu werden, um erst wieder bei Gelegenheit zu erwachen, bei Festkneipen oder eben — Enqueten. Ganz zu schweigen von absichtlichen Entstellungen: man kann als A. H. nicht alles sagen, was man möchte, wenn man A. H. bleiben will und dem Grundsatz quiete non movere huldigt Auch darüber wüsst' ich Stückchen. — Daher: jeder einzelne hat Revue zu passieren und unbarmherzige Kritik auszuhärten. Nicht mit dem Messer auf die Kehle rücken, oder dem Notizbuch oder dem Fragebogen, sondern anschleichen und beobachten! Wie ist seine Stellung zum Judentum? Seine innere Gesinnung und seine äussere? Was tut er für das Jüdische, besonders für die modernen jüdischen Bestrebungen? Der B. I. C. hat keine Philister, die mit »wehmütigem Blickc< auf die Zeit der Aktivitas zurückschauen. Unsere Aktivität beginnt im Leben. Unsere alten