Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 5 (August 1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Der jüdische Student. Berichten der einzelnen K. V. K. V- Die staunenden Bbr. in den andern K. V. K. V. lassen sich gern erzählen von dem respektablen Aufwand von Mühe, Zeit und Geld. Und Geist! Solcher steht in Wahrheit viel in den wissenschaftlichen Erörterungen, in manchen Vorträgen, in allen Artikeln des I. St. Interessant plaudert mancher Bbr. über Fechten, Zionismus, Deutschtum. Unzweifelhaft interessant noch werden die Ergebnisse von Kirschners Enquete sein; sogar über den B. I. C.-Rahmen hinaus, für die allgemeinen Verhältnisse der jüdischen Studenten. Allerdings wüsst' ich, wie sie noch interessanter sein könnten. Darüber später 1 Hier haben wir das objektive Referat: Was leisten wir! Vielleicht deckt sich für viele Bbr. Bbr. Dies im ganzen mit der Antwort auf die weiten Frage: Was sollten wir leisten? Auch Kirschners erfreuliches Reinemachen in den beiden ersten Nummern des I. St. war nur Kritik und Besserungsvorschlag im einzelnen. Nicht prinzipielle Reform! Ich bitte um Gehör für meine Antwort! Sie erledigt 1. in negativer Hinsicht die Frage: Was sollen wir nicht leisten? ^Was sollten wir leisten?* sagt, dass an dem bisher Geleisteten manches auszusetzen ist. Manches hält sie für ganz unnütz: manches nur deshalb für unnütz oder gar schädlich, weil es den Blick abkehrt von Nützlichem; manches soll anders getan werden als bisher. Die Antwort auf die negative Teilfrage setzt voraus Klarheit über die 2. Frage. Sie behandelt Prinzipielles! Also: 2* Positiv: »Was sollten wir leisten?* Antwort: »Vereinspolitik!* »Das hiesse also* — hör' ich ärgerliche Stimmen — »dass wir bis jetzt keine getrieben?!* Ich bedaure sehr, erwidern zu müssen. »Nach meiner subjektiven Meinung, auf Grund langsemestrigen Vereinserfahrungen: nicht keine; aber keine klare; und das ist oft so viel wie keine.* Ich werde meine Ansicht verteidigen. — Unser Ziel ist: Erziehung des jüdischen Studenten in seiner Studienzeit, in jungen Jahren, so, dass er in späteren Jahren, in der Selbständigkeit, im Beruf lebhaftes persönliches Interesse und praktischen Anteil nehme am jüdischen Leben. Der zum Juden in unserm Geist erzogene Student soll ein ebensolcher Mann sein. Die Gesammtheit all der Massnahmen, die diesem Ziel dienen, ist die Politik des Vereins. Schon oben führte ich aus: der Politiker sieht nach 3 Richtungen: 1- Er sieht in die Zukunft: Hier holt er sich den Antrieb zu seiner Tätigkeit. Er sieht, was er will; sein Ziel. 2. Er sieht auf die Gegenwart: hier holt er sich Methode und Mittel zu seiner Tätigkeit; er sieht, wie er es will; den Weg. — 3. Er sieht in die Vergangenheit: hier holt er Kritik seiner Tätigkeit; er sieht, was und wie er gewollt, was und wie er gesollt; das Ergebnis. Dies ist negativ — kritisch und positiv zugleigh. Und die fürdere Antwort auf No. 2, vielleicht, aber auch auf No. 1 gestaltet sich nach der