Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Der jüdische Student. wenn der Paukant erst vorm geschliffenen Säbel steht, dann — ja dann gibt es eben kein Zurück mehr, dann fühlt er sich vielleicht sogar gerührt als Märtyrer, und ob er nun mutig oder feige ist, er steht — oder versucht es wenigstens. Wenn ich noch erwähne, dass bei gebesserter Gesundheit infolge sportlicher Betätigung die Arbeitslust und Lebensfreudigkeit gesteigert wird, so habe ich die psychischen Wirkungen des Sports wohl erschöpft. Von den Vorteilen und Nachteilen des Fechtens habe ich noch zu sprechen. Als Vorteile führe ich an die Wirkung, die das Fechten wie jeder andere Sport auf die Gesundheit hat und für die Anhänger der Satisfaktion die Möglichkeit, sich als mutiger Mann — natürlich — Genugtuung zu verschaffen. Als Nachteile sind zu nennen: das Fechten ist unschön, teuer und kann nur auf staubigem Paukboden, überhaupt nur auf wenigen Punkten des zivilisierten Mitteleuropa geübt werden. Beim Fechten mit scharfen Waffen befinden wir uns im Widerspruch mit allen Forderungen einer vorgeschrittenen Kultur und mithin auch der Gesetze. Man wird mir schliesslich die Erfolge des Fechtens und die Misserfolge des Turnens im B. J. C. entgegenhalten. Mit Unrecht. Die leitenden Kreise im B. J. C. haben seit jeher ihr Hauptaugenmerk auf das Fechten gerichtet, das Turnen war in der Regel als höchst lästige Anstandspflicht betrachtet worden. Da ist es klar, dass beim Fechten mehr erreicht werden muss als beim Turnen. Doch man betreibe das Turnen nur so ernsthaft wie das Fechten, und die Erfolge werden nicht ausbleiben, oder man überlasse, wie oben gesagt, die sportliche B etätigung dem eigenen Geschmack, dann werden sich vielleicht alle im Verein am wohlsten fühlen und am meisten Sport treiben. Mein Thema ist zur Hauptsache erschöpft, soweit dies in dem engen Rahmen geschehen kann, ich möchte aber noch auf einiges eingehen, was Bbr. Danziger in seine Betrachtung hineingezogen hat, obwohl es absolut nicht hierher gehört. Er spricht vom schlappen Golusjuden, dem er den mutigen Juden gegenüberstellt. Das ist schief. Der Gegensatz ist in Wahrheit der selbstsichere, selbstbewusste Jude. Er spricht ferner von der Diszipliniertheit, die man auf dem Paukboden erlangt, während er äussere stramme Haltung, sagen sollte. Moralischer Mut und Diszipliniertheit — doch wohl moralische Eigenschaften — sind durch physische Betätigung nicht zu erlangen, sondern, wenn wir uns auf den B. J. C. in der Be-» trachtung beschränken wollen, im Vereinsleben speziell auf den Vereinsabenden und Konventen. Und was nützt die straffe Haltung des Körpers, wenn er den Mund nicht zur rechten Zeit halten oder auch auftun kann?! — Ja, moralischen Mut und Diszipliniertheit müssen wir an uns erziehen — doch das gehört nicht hierher, —- ein ander Mal vielleicht.