Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 107 ist viel mehr zu sagen. Hier handelt es sich um die physischen und psychischen Wirkungen des Fechtens, speziell des gemeinsamen Fechtens, um seine allgemeinen Vorteile und Nachteile. Hierbei will ich die prinzipiellen (religiösen) Gründe, die gegen das Fechten geltend gemacht werden, von der Betrachtung ausschliessen, da ich aus eigener Anschauung nicht zu ihnen Stellung nehmen kann. Das Fechten hat beim gesunden Menschen wie jede sportliche Betätigung eine Kräftigung der körperlichen Konstitution und damit der Gesundheit zur Folge. Wie jede sportliche Betätigung, sagte ich. Ich bin in der Beziehung ebensowenig Fachmann wie die allermeisten Bundesbrüder und stelle darum mit Vernachlässigung kleiner Unterschiede das Fechten, Rudern, Dschiu-Dschitsu etc. einander gleich. Jeder Sport kann mit anderen Bundesbrüdern gemeinsam ausgeübt und eventuell vom Verein geleitet werden. Diese Leitung sollte meines Erachtens lediglich zur Erhöhung der physischen Wirkung der sportlichen Betätigung dienen und nicht zur Erzwingung der persönlichen Berührung der Bundesbrüder miteinander. Ein persönlicher Verkehr ist wertlos, wenn er erzwungen ist. Es genügte vollkommen, wenn sich in einem Verein verschiedene Kreise bilden, die sich verschieden sportlich betätigen nach ihrem eigenen Geschmack. Einen freiwilligen Sport wird jeder mit viel mehr Interesse und also auch mit viel mehr Nutzen für sich selbst betreiben als einen erzwungenen. Es wäre dabei leicht, durch Schaffen einer Tradition im Verein dahinzuwirken, dass kein gesunder Fux und Jungbursch sich jeder sportlichen Betätigung entzieht. Dass fast jeder Sport besonders im Sommer im Freien oder gar fern von der Stadt ausgeübt werden kann, ist nicht zu vergessen. Das Pauken dagegen ist vom staubigen Paukboden untrennbar. Beim Rudern, Segeln, Tennisspielen etc. kann man gleichzeitig gesellschaftlichen Verkehr mit Damen pflegen. Diese Betrachtung leitet zu gemeinhin wohl überschätzten psychischen Wirkungen des Sports hinüber. Ein Mensch, der weiss, dass er sich auf seine gekräftigten Muskeln und geschulten Nerven verlassen kann, wird da, wo es auf ein physisches Eingreifen ankommt, nicht zurückschrecken, er wird mindestens mutiger sein als ein anderer von gleichem Charakter. Doch möchte ich den sehen, der ernstlich behaupten wollte, man könnte Körperkraft und Gewandtheit anstelle von Mut setzen. Unter den Wilden, die ja auf ihre körperliche Ausbildung einen sehr grossen Wert legen und darum auch grosse Gewandtheit besitzen, gibt es meines Wissens viele Feiglinge. Und man glaube doch nicht, dass Mut dazu gehört, einem Herrn die Karte abzuverlangen, — wie häufig verläuft die Sache wieder im Sande oder die Bedingungen sind ganz leicht. Wenn man noch hinzu nimmt, dass diejenigen, die Satisfaktion geben, häufig prinzipielle Gegner derselben sind, so fragt man sich wohl mit Recht, ob dieser Mut sich zu schlagen, nicht zum Teil Feigheit ist, seine Überzeugung zu bekennen. Zum Ertragen der Püffe und Hiebe hinter der Maske resp. dem Paukzeug gehört doch wirklich kein Mut, aber