Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 109 Orthodoxe Intoleranz. Bbr. Albert Straus (Maccabäa) in Halle a. S. bittet uns um Aufnahme der folgenden Ausführungen. Diese wortgetreu wiederzugeben, halten wir für unsere Pflicht. Wir nehmen aber andererseits das Recht in Anspruch, unsere Erwiderung sofort anzufügen. Bbr. Straus schreibt: „Mit Bezug auf den Schlusssatz des Berichtes, den Bbr. Doernberg in No. 2 des „Jüdischen Studenten" (S. 6J), die mir leider erst jetzt zu Gesicht gekommen ist, über einen Artikel des Herrn Isaak Breuer im „Israelit" gibt, habe ich kurz das Folgende zu konstatieren: 1. Der orthodoxe Jude hält das jüdische Nationalgesetz, wie es in der schriftlichen und mündlichen Überlieferung niedergelegt ist, für verbindlich für a 11 e Zeiten und alle Geschlechter des jüdischen Volkes. 2. Der orthodoxe Jude erachtet die Unterordnung unter dieses Gesetz für die erste und oberste Pflicht eines jeden Juden. 3. In den Augen des orthodoxen Juden ist daher eine jede bewusste Verfehlung gegen das Nationalgesetz eine Pf licht- Widrigkeit, die den Verfehlenden in seinen Qualitäten als Jude herabsetzt. Es gehört — und das betone ich im direkten Gegensatz zu Bbr. Doernbergs Meinung — zu diesen Feststellungen weder der Mut einer besonderen EhrlichKeit noch eine besonders grosse Konsequenz; sie sind vielmehr nichts weiter als das seit Jahrtausenden immer gleichgebliebene Programm jedes auf dem Boden der Überlieferung stehenden Juden, dessen Abschwächung in irgend einem Punkte das Ende des traditionellen Judentums bedeuten würde. Und es verrät deshalb eine ganz erstaunliche Unkenntnis in judaicis, wenn derartige Dinge in unserem Kreise erst einer berichtigenden Feststellung bedürfen. Der liebenswürdige Schlusspassus Bbr. Doernbergs, der demnach uns Orthodoxen allen — denn wir alle stehen auf dem obengenannten Programm — das Recht absprechen will, in den Reihen des V. J. St. für unser Judentum, für das wir fast zu jeder Stunde unseres Daseins mehr Opfer — und nicht nur an Bequemlichkeit — bringen, als irgend ein Aussenstehender auch nur zu ahnen vermag, mitzukämpfen, mag in dieser Unkenntnis seine Entschuldigung finden/4 Ich erwidere: Es ist wirklich sehr freundlich von Bbr. Straus, mir für meinen „liebenswürdigen Schlusspassus44 einen Entschuldigungsgrund zugestehen zu wollen. Er sucht nicht lange, er findet ihn und konstatiert ihn in meiner „Unkenntnis44. Das ist sogar „liebenswürdig44. Doch noch nicht in genügendem Grade, um mich zu einer sofortigen Erwiderung zu veranlassen. Denn es ist ja nur die Meinung eines einzelnen, von dem ich noch überdies annehme, dass er selbst an den angeführten Entschuldigungsgrund nicht glaubt. Es sollte ja nur eine Liebenswürdigkeit sein. Für sie meinen Dank — mehr allerdings