Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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101 der Weise (weil unkritisch und unvollständig) selber zusammenklauben mussten. Es darf absolut nicht etwa eingewandt werden, dass gerade diese Eigenarbeit der Füxe mit dem Anstrich historischer Übungen doch auch wieder andererseits die jungen Semester in die betr. jüdische Literatur einführen half, ihnen also ein Arbeitsfeld eröffnete und sie vor Bequemlichkeit auf dem Gebiete ihres Lernstoffes schützte: die damit bisher geleistete Tätigkeit kam über eine stumpfe Materialsammlung nicht hinaus und bedeutete einfach die ganzen Semester hindurch Zeitvertrödelung. Man muss auch hinzunehmen, dass sich nicht so leicht in jedem Semester und in jedem Verein jemand findet, der Imstande ist, selbständig sich den Stoff für seinen Fuxenunterricht zusammenzustellen, dass es vielmehr eine traurige Tatsache ist, dass ein Fuxenheft, vor undenklichen Zeiten geschrieben und mit jedem Tage unangenehmer veraltend, Semester hindurch von Hand zu Hand und von Stadt zu Stadt wandert und sein Inhalt ungeprüft und unbedenklich immer wieder „doziert" wird mit einer Beharrlichkeit, die eines Besseren würdig v/äre — was vorkommen soll! Das F. K. wird also solchen zu Fuxmajoren gewählten Leuten, die nicht recht wissen, was sie nun anfangen sollen, zum mindesten eine instruktive Grundlage und zugleich eine gern ergriffene Handhabe für den Unterricht bieten. Ich stelle nun die Fächer zusammen, deren Behandlung unbedingt erforderlich ist, und gebe gleichzeitig skizzenhaft ein paar Winke für ihre Bearbeitung. 1. Vereinsgeschichte (zunächst ohne weitere Kommentierung der Tendenz und deren Verhältnis zu anderen jüdischen Tendenzen): Datum und Ort der Gründung der einzelnen V. J. St.en, Namen der betreffenden Gründer, Aufstellung der Mitgliederzahlen des Vereins in den verschiedenen Semestern; äussere Beziehungen zu anderen Korporationen und (auch nicht studentischen) Vereinen sowie zur jüdischen Bürgerschaft des Ortes; Angabe besonders wichtiger Gelegenheiten im studentischen und im jüdischen Leben, bei denen der Verein hervorgetreten ist, sowie evtl. der Gebiete im öffentlichen Leben, auf denen er eine stabile Tätigkeit entfaltet; Bemerkungen über Krisen und deren Entstehung, überhaupt deren Ursachen, u. ä. m. Natürlich müssen die Vereine, die uns heute nicht mehr angehören oder die eingegangen sind, mitbehandelt werden, und gerade die! Dieselben Angaben sind natürlich auch über den gesamten B. .1. C. zu machen. Es handelt sich also um eine Geschichte der V. J. St.en in ihrem äusseren Verlaufe: eine eminent schwere, aber nicht mehr verfrühte Aufgabe von starker instruktiver Kraft. 2. Geschichte des Korporationswesens von den ersten Anfängen der Studentenverbindungen im Mittelalter an bis hinein in unsere Tage, mit besonderer Berücksichtigung des 19. Jahrhunderts. Hier ist eine stete Verknüpfung in der Darstellung der Entwickelung des Korporationswesens mit den politischen und sozialen Strömungen der Zeit sehr am Platze. Da gerade die Behandlung der letzten Jahrzehnte des 19. s. sich mit der Stellung der studentischen Verbindungen zu den Juden zu beschäftigen haben wird,