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Der jüdische Student · 1907-06-01 · Heft 3 (Juni 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 3 (Juni 1907)
Date
1907-06-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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78 Der jüdische Student. zu erkundigen. Die einzelnen Vereine bitte ich, der Redaktion bis zum 10. Juli spätestens, möglichst aber umgehend mitzuteilen, wieviel Exemplare der Fragebogen sie für ihre Aktiven, J. A. J. A. und A. H. A. H. brauchen. Hinweise bezüglich Ergänzungen des Fragestoffes im angedeuteten Sinne nehme ich bis zum 1. Juli dankbar zur Berücksichtigung entgegen. Im übrigen, liebe Bundesbrüder: Tua res agitur! Bruno Kirschner. Sollen wir deutsche Kulturwerte in uns pflegen? Von Siegfried W e i t z m a n n (Charlottenburg). Bruno Kirschner*) hat's uns mit erfrischender Deutlichkeit gezeigt: Judentum und Deutschtum sind nicht, wie neulich auf einer Protestversammlung für Dr. Emil Cohn gesagt wurde, „inkommensurable Grössen4', die, gleich zwei flüchtig einander vorgestellten Fremden, jeder seine Strasse ziehen und nur mit kühler Höflichkeit den Hut lüften, wenn ihre Wege sich zufällig kreuzen. Hier im engeren Kreise kann es ohne die Gefahr eines Missverständnisses ausgesprochen werden: Sie kennen sich fast zu gut, diese beiden Kräfte unserer Seele, beinah auf keinem Gebiet wirkt die eine ganz losgelöst von der andern, — aber feindlich stehen sie sich gegenüber, lauernd auf den Augenblick, sich zu verdrängen, und doch in dumpfer Ohnmacht gezwungen, miteinander notdürftig Frieden zu schliessen. Nur die überaus nüchternen und gefühlsarmen Römer konnten den Satz erfinden, das Vaterland sei da, wo es einem gut gehe, man könne es wechseln wie der Schauspieler sein Gewand, um eine neue Heldenrolle zu spielen. Wir wissen es anders. Wissen, dass es uns (ich spreche allein von deutschen Verhältnissen) hier nicht gut ging und geht und gehen wird, und wissen doch, dass hier und nirgend anders unser Vaterland ist. Es braucht kaum wiederholt zu werden: Wir haben deutsche Kultur, wenn man unter Kultur die Summe der Möglichkeiten versteht, in denen sich das Denken, Fühlen und die Sitten eines Volkes bewegen. Wir sogen den Duft deutscher Erde ein, da wir als Schuljungen in deutsche Wälder Ausflüge machten, sind in deutscher Sitte gross geworden und ahnen vielleicht gar nicht, wieviel in uns diesem Lande gehört, das uns den Inhalt unseres geistigen Lebens gegeben hat. Als ich zum ersten Male vom Zionismus hörte, starrte ich ihn verständnislos an wie ein blutleeres Gespenst. Ich liebte die Germanen mit den blauen Augen und den hellen Haaren, liebte die Kraft und den Sonnenschein, der über ihnen lag (als eifriger Turner hatte ich sehr häufig Gelegenheit, diese Seite zu spüren), liebte die selbstverständliche Sicherheit, mit der sie breitbeinig auf dem Boden standen, beinahe strotzend von Freiheit. Tiefe Sehnsucht er- *) A. H. Kirschner möge mir gestatten, einiges aus seinem Aufsatze in anderer Form zu wiederholen. Es gehört zu der behandelten Frage.

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