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Der jüdische Student · 1907-05-01 · Heft 2 (Mai 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 2 (Mai 1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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67 glaube auch, dass das Keilen unter diesen Umständen mitunter erschwert werden wird; aber das kann doch für uns kein Grund sein, die ganze Sache abzutun. Im Gegenteil, es ist uns sehr gesund, dass wir gezwungen werden, im Keilen einiges zuzulernen und nicht blos Willige oder Törichte zu überzeugen — doch dies ist eine andere Frage. Das aber ist klar, wenn wir warten wollen, bis sich in orthodoxen oder elsässischen Kreisen eine andere Auffassung Platz machen wird, dann können wir ebenso gut warten, bis alle Juden — Zionisten sind, der Antisemitismus aufhört oder sonst etwas. Was man sich denn vom offiziellen Fechten im B. J. C. versprechen kann? Die Antwort: wir erzählen immer, die Tendenz des K. C. sei klein, sei nur ein Teilchen unserer Bestrebungen. Gut; aber sie sind doch die Schlaueren, weil sie mit dem Fundament anfangen, wir bauen zu viel Kartenhäuser. Der Beweis ist leicht: ihre Leute arbeiten, mögen sie noch so lange aus der Korporation entlassen sein, für ihre Ziele — siehe Centraiverein — der grösste Teil unserer A. H. A. H. aber — doch ist dies noch eine andere Frage. Was wir brauchen ist: frische, gesunde, forsche, frohe Jungen, die daher, ja daher schneidig und mit Liebe an unsere Sache herangehen. Der V. J. St-er soll ein Eroberer sein, nicht aber der gebückte, schlappe Golusjude, der in seinen Studentenjahren noch gerade die Spannkraft hat — ein Träumer zu sein; wenn es ihm im Leben etwas hart ankommt, unsere Gedanken um eines bequemeren, Lebens willen — Gedanken sein lässt. Ich glaube, dass das Fechten uns zu dem verhelfen kann, was wir brauchen. Jeder Einzelne wird vom Fechtlehrer vorgenommen, er muss so lange den Säbel in der Hand halten, als es dem Fechtmeister — nicht ihm — behagt, er muss es sich gefallen lassen, dass sein vis-ä-vis ihm Hiebe auf Kopf, Arm und Brust beibringt, er verlernt allmählich Angst und linkische Bewegungen; ja, er wird sogar Mut bekommen, auf den Gegner loszugehen — zunächst, wenn der andere schwächer scheint, dann auch, wenn der überlegene Gegner dem allzu Vorsichtigen auf die Kappe haut — der merkt, dass „Kneifen" ihm mehr Hiebe einbringt, geht vor — er bekommt Schneid, Selbstbewustsein. Auf dem Paukboden lernt er, wie er sich im Verkehr mit anderen Studenten zu benehmen hat, er ficht mit ihnen, er spricht mit ihnen, er lernt so die nötige Reserve ihnen gegenüber. Das alles ist sehr, sehr viel wert, es hat viele und nützliche Folgen, die man nicht so genau angeben kann. Jedenfalls: solch' ein Mann, der auf dem Paukboden Disziplin, den Willen anderer, Ruhe, Mut, Bestimmtheit kennen gelernt hat, der wird wissen, was er auf den Konventen zu sagen hat, wird sich nicht mit Händen und Füssen dagegen streuben, fünfzig Wochenprogramms zu schreiben oder nach Freiburg gehen, wenn der Verein will, dass er nach Strassburg oder Königsberg gehen soll.

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