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Der jüdische Student · 1907-05-01 · Heft 2 (Mai 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 2 (Mai 1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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65 ziplin" besteht. Dann werden wir sehen, dass sie gelernt haben, ihre Ansichten zurückzuhalten und nur den Standpunkt ihrer Verbindung zu vertreten, wenn sie einen Aussenstehenden vor sich haben. Ein Beispiel: ich sprach neulich einen A.D. B.er, Theologen, Sohn eines Subalternbeamten. Er schwärmte als Pennäler von der holden Parität und gibt sich allen Juden meiner Heimat, die zu den oberen drei oder vier gehören, auch jetzt noch mit der grössten Zuvorkommenheit; ich fragte ihn über das Verhältnis der Religionen in seiner Korporation, es war zufällig kein Jude darin, und sagte ihm nach anderem: Sie selbst glauben, das sei vom liberalen A. D. B. Toleranz, Mitglieder einer bestimmten Religionsgemeinschaft prozentualiter aufzunehmen? Er wurde rot bis an die Ohren — noch ist er Fuchs — und sagte: ja. Nota bene: ich halte seine Antwort für richtig. Wenn uns nun jemand fragt: warum fechten bei Ihnen z. B. im Berliner Verein 12 Mann von 50 — der Frag er legt nur Wert auf das „Fechten"? Dann wird der Einzelne je nach seiner persönlichen Ansicht sagen : aus Vergnügen, zur Uebung, Stärkung usw. Vom Standpunkt der Korporation würde ich antworten: damit wir im Notfall Leute haben, die unsere Angelegenheiten auspauken! Das allein ist der Zweck des Fechtens in den V. J. St.en, die ich kennen gelernt habe. Und da wir mit unserem Fechten nicht Disziplinierung unserer Bbr. Bbr. erreichen wollen, weil es ja nicht Sache der Korporation ist, bin ich so naiv zu fragen, welch ein anderes Mittel haben wir denn dazu — wenn oder da wir eine Disziplin haben wollen? Etwa Freundschaft — V. J. St.er-Gedanke oder sonst etwas? Nun, der eine liebt Kaviar, der andere Kartoffeln über alles! Wir haben in der Tat keines, das die übrigen Korporationen nicht auch hätten. Denn das Turnen, das — und auch nicht in allen K.V. K.V. — bei uns getrieben wird, ist absolut als dem Fechten nicht gleichwertig zu betrachten. In den K. V. K. V., in denen geturnt wird, findet das Turnen einmal wöchentlich statt und dauert 1—1% Stunden; den Unterricht erteilt in der Regel ein mehr oder weniger fähiger Bundesbruder. Es ist natürlich, dass in den wenigen Stunden Turnens während des Semesters — zu oft fallen wegen der oder jener plötzlich eingelegten Vereinsveranstaltungen Stunden aus — und bei Leuten, die vielfach in ihrer Schulzeit vom Turnen befreit waren oder auch sich befreit haben, so gut wie nichts gelernt wird; höchstens haben diejenigen, die in der Schule geturnt haben, Gelegenheit auch Vorbild, sich dessen zu entsinnen — aber auch kaum mehr. Von einer systematischen Uebung oder gar einem Zulernen ist bei unserem Turnbetrieb nicht zu reden! Und mit denen, die, um nicht zu fechten, in bestehende Turnvereine treten, steht es in keiner Weise besser. Jeder weiss, dass unsereins freiwillig oder auch unfreiwillig nach durchbummelter Nacht oder nach verlorenem Skat solche im Augenblick lästige

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