Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1907)
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Der jüdische Student. Das Fechten im B. J. G. Felix Danziger. Auf dem letzten Kartelltage und im Berliner Konvent ist im vergangenen Semester viel vom Fechten gesprochen worden. Die Vertreter der B. J. C.-Vereine, haben sich entschlossen, von der Einführung des offiziellen Fechtens abzusehen und nur eine es empfehlende Resolution angenommen. Die Folge war, dass im Berliner Verein diese Resolution zum Gegenstand eines Antrages auf Einführung des offiziellen Fechtens gemacht wurde — er fiel durch — im A.C.; fiel durch, obwohl derselbe A.C. den Antrag beim K. T. unterstützt hatte. Angesichts des Schicksals des Fechtantrags sollte man erwägen, ob oder wie weit man Füchsen, die gewiss nicht genügend mit der Entwickelung der Vereinsanschauungen verwachsn sind, das Recht über die Entscheidung neuer Institionen einräumen dürfe. Obwohl nun für das Fechten und gegen seine Einführung bedenklich viel gesprochen worden ist, möchte ich einiges darüber sagen — gerade in unserer neuen Zeitung, durch die die Möglichkeit gegeben ist, für die Kenntnis der Meinungen anderer K. V. K, V. und deren Austausch. Das Fechten in Studentenverbänden überhaupt kennen wir vom Hörensagen recht gut. Man darf sagen, dass mit Ausnahme der katholischen Verbindungen, des Wingolf und einiger Freundschafts- oder sonstiger „höherer" Vereine das Fechten überall gang und gebe ist. Wir wissen ferner, dass die Bewertung des Fechtens bei den Korporationen je nach „Feudalität" verschieden ist. Der S. C.er, der zweimal „vorbei ficht", wird abgegeben — bei weniger „feinen" Verbindungen kommt es auf das „Stehen" an, mag der Paukant auch abgestochen werden wie ein Ochse. Bei uns, wo auch gefochten wird, ist die Hauptsache: dass der andere vermöbelt wird — auch fechten wir blos auf Säbel. Man wird sich fragen müssen, warum fechten sie alle? Alle fechten, weil sie Satisfaktion geben, und der Standpunkt der Satisfaktion ist für sie durch die Tradition geheiligt. Sehen wir aber zu, ob dieses der einzige Grund dafür ist. Nein! Auf eine Anfrage werden wir mit Sicherheit die Antwort hören: wir fechten im Sinne der moralischen Disziplinierung des Einzelnen und des Schneides seines ganzen Auftretens. Dann zucken wir gewöhnlich die Achsel — grösstenteils mit Unrecht. Denn von der moralischen Disziplin jener Herren etwas zu erproben, haben wir selten Gelegenheit — und von der anderen Seite der Sache sehen wir meistens einige Proben auf der Quartseite des Betreffenden. Und wir lachen überlegen über diesen Kram und Aeffereien. Das Schlimme aber ist, dass wir nicht über die Torheit jener lachen — Bestimmungs¬ oder Freundschaftsmensuren — sondern über das — Fechten. Möchten wir uns doch die Mühe machen, die Leutchen etwas näher anzusehen und zu beobachten, worin ihre „moralische Dis-