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Der jüdische Student · 1907-05-01 · Heft 2 (Mai 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 2 (Mai 1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Der jüdische Student. Erwägungen zur B. J. A.- Angelegenheit. Bbr. Ludwig Ascher (Marburg) führt in einem Artikel, den wir leider Raummangels halber nur in gekürzter Form abdrucken können, etwa folgendes aus: „Ich wage kaum, mich der Hoffnung hinzugeben, dass ich mit diesen Zeilen mehr Klarheit in der leidigen B. J.A.- Angelegenheit scharfen werde; jedoch hoffe ich, so manchen Bbr. durch einige nüchterne Worte versöhnlich zu stimmen und vor allzu rigorosem Terrorismus zu bewahren, wenn ich auf einen bisher mehr oder weniger absichtlich vernachlässigten Kernpunkt aufmerksam mache. Wollen wir V. J. St.er, die wir uns gerade dadurch von anderen jüdischen Verbänden vorteilhaft zu unterscheiden wünschen, dass wir uns mit unserm ganzen Sein auf den Boden der Geschichte stellen, mit einem Verbände, dessen vornehmste Aufgabe es ist, auf Grund eben dieser altehrwürdigen Ueberlieferung vielleicht in etwas einseitiger Weise für den gesicherten Fortbestand der Juden und des Judentums zu arbeiten, alle Beziehungen abbrechen, weil sich vielleicht einige jugendliche Heisssporce, die an der Spitze des Verbandes stehen, einen Formfehler haben zu schulden kommen lassen? Ich glaube nicht an das Gerede von Bundesbrüdern, von der Sucht der B. J. A. nach corporativem Habitus. Derartig eklatante Assimilationsgelüste sind meiner Ansicht nach mit der Tendenz, der B. J. A. unvereinbar. Den Zusammenschluss der V. J. A er zum B. J. A. dürfte im Ernst wohl niemand als Differenzpunkt betrachten, da doch eine kräftige Organisation eine selbstverständliche Voraussetzung für den Fortschritt jeder Bewegung ist. Es fällt mir nun keineswegs ein für die einzelnen Mitglieder des B. J. A. eine Lanze zu brechen Mir persönlich waren diese Leute, soweit sie eben nur B. J. A.er waren, stets ein Dorn im Auge, weil durch die Auswüchse ihrer Bestrebungen ein intolerantes, feiges Kriecher- und Muckertum aufgezogen wird, wie es ekelhafter nicht gedacht werden kann. Ich erinnere nur an die gravierende Tatsache, dass die V. J. A. München in einem der vergangenen Semester aus „moralischen Gründen" Damen von ihren sämtlichen Veranstaltungen ausschloss — und gerettet war die Sittlichkeit. Doch genug davon! Für uns dreht es sich ja nur darum,, ob wir der denkenden Aussen weit das ergötzliche Schauspiel geben wollen, dass wir einen Verband pflichtbewusster, um das Wort orthodox ein für alle mal zu verpönen, Pioniere des Judentums wegen eventueller Formfehler und Auswüchse ihrer Organisation für alle Zukunft aus unserm gemeinsamen Kampfe für das Judentum ausschliessen. Ich glaube, man dürfte die praktische Konsequenz aus dieser Ueberlegung ziehen und allenfallsigen Wiederannäherungsversuchen des B. J. A. nicht zu schroff begegnen. J. L.

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