Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1907)
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Der jüdische Student. wöchentlichen hebräischen Unterrichts, ä 2 Stunden, kann auch der Anfänger so weit sein, dass er, wenn er wenigstens ein Mensch von innerer Bildung ist, das Studium dann nicht mehr aufgibt. Und das ist mir das Wesentliche: er soll einen so tüchtigen Geschmack bekommen schon vom Kosten, dass er weiter essen will — essen muss, aus inneren Drang heraus. — Hier muss ich auf einen Einwand technischer Natur gefasst sein, der mir übrigens auch gemacht wurde: in dieser kurzen Zeit könne einfach nichts im Hebräischen geleistet werden, was man ehrlich: Kenntnisse nennen dürfte. Ich meine, es käme doch nur mal auf einen kleinen Versuch an! Ich will ja garnicht, wie man mir naiverweise untergeschoben hat, aus den V. J. St.-ern Professoren für Hebräisch machen; ich werde mich befriedigt fühlen, wenn der Erfolg der Kurse der sein wird, dass die Teilnehmer leichte Psalmen, leichte prophetische und historische Stücke der Bibel, leichte neuhebräische Gedichte u. a. übersetzen können und nicht zuletzt auch dadurch Verständnis für das eigentümlichste Instrument der jüdischen Seele, ich meine das Gebetbuch, erlangen werden. Und wenn sie also Hebräisch mit dem Entzücken lesen können, mit dem man es eben lesen muss! Man muss bedenken, dass unsere Leute alle philologisch durch die höheren Lehranstalten ganz gut vorgeschult sind, so dass sie eine neue Sprache, was ja Hebräisch auch nicht allen sein wird, verhältnismässig leicht und schnell erlernen werden. Ich möchte mich jetzt nicht mehr in die Details des Unterrichts einlassen: das sind getrost curae posteriores. Die Hauptsache ist: jeder muss zwei Jahre lang Hebräisch treiben, zwei Jahre mindestens: nur wenn einer Hebräisch kann, werde ich die Begeisterung für unseres Volkes Vergangenheit und für die hohen Kulturwerte, die es geschaffen, verstehen. Und wie dämmen wir die überschäumende zionistische Begeisterung unserer 19-jährigen Diplomaten, Politiker, Nationalökonomen? Oder ich will sie gar nicht dämmen, ich will ihr nur zu mehr Berechtigung und Gediegenheit verhelfen. Die Rundschauartikel, liebe Bundesbrüder, schaffen die wirklich nicht, denn die sind bei aller „streng gewahrten Objektivität" einseitig und chauvinistisch geschrieben. Und hier fordere ich eine Ausbildung, die nicht nur dem Juden in uns, sondern auch dem Menschen in uns zu gute kommt — und ich hoffe doch, dass wir auf dem Standpunkt stehen, nicht nur Juden zu erziehen, sondern Menschen, die in erster Linie Juden sind! —, ich meine eine gründliche national-ökonomische Ausbildung. Ohne die kommt heute so wie so kein Mensch mehr aus, der auf den Titel: Bildung Anspruch macht. Und nun wir Zionisten erst — wie brauchen wir sie! Sie ist für uns auf dreierlei Art möglich; entweder wir lassen im Verein selber einen auf mehrere Semester berechneten nat.-ök. Kurs abhalten, natürlich nur von tüchtigen, gründlichen Kräften, ev. auch von dem Verein völlig fernstehenden Personen gegen Bezahlung — oder wir verpflichten die in Frage kommenden Bbr. Bbr. auf Be-