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Der jüdische Student · 1907-05-01 · Heft 2 (Mai 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 2 (Mai 1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der jüdische Student. 51 ihren Drang nach studentischer Ausleberei in einem jüdischen Verein nachkommen zu können: von Arbeitslust für sich und uns — keine Spur. Die Enttäuschung über die vielen offiziellen Veranstaltungen ist denn auch bald gross — das ist klar. Und ein rechtes inniges Einleben in den modernen jüdischen Gedanken ist eben auch nicht zu erreichen. Hier möchte ich schon einsetzen. Es genügt nicht, wenn man sich, wie das ja geschieht, die Primaner und Abiturienten heranholt — man muss viel weiter zurück! Man muss auf die jüdische Jugend zurück. Jetzt haben wieder die Spötter unter meinen lieben Bundesbrüdern Gelegenheit zum Lachen: Grund gewiss nicht! Sie werden sagen, dass wir am besten gleich Religionsschulen einrichteten im V. J. St. und, wenn möglich, anstatt der Lesefibel Achad Haam hinlegen. — Soweit würde ich nun entschieden nicht gehen. Aber der Einwirkung auf die jüdischen Eltern und so mittelbar auf die Erziehung der jüdischen Kinder, der sollten wir uns nicht begeben. Das wollten wir denn auch gewiss nicht, als wir in unserem Programme uns die Aufgabe stellten, in unserem Sinne auf die weitesten jüdischen Kreise zu wirken. Getan haben wir das bis jetzt noch wenig — mit Bällen und Damenkommersen ganz gewiss noch nicht genug. Stille Arbeit brauchts da, nicht lautes Säbelklirren — jeder in seiner Familie, in seinen Kreisen. Das meinte auch Joseph Loewy, unser Charlottenburger Bbr., als er in einem Korreferat, das er zu meinem oben erwähnten Artikel für den jüd. Studenten schrieb, „der bewusst christlich - deutschen Beeinflussung durch die Schule" „das ausgleichende Moment einer zielbewussten, wurzelständigen häuslichen Erziehung in unserem jüdischen Sinne" gegenübergestellt wissen wollte, unter deren Schutz man dann wieder „unsere Jugend ganz beruhigt den christlichen-germanischen Erziehungsversuchen aussetzen" könne. Ich halte mit ihm den Zustand für kein Ideal, aber ein grosser Teil unserer Jugend wird ja immer auf die gemischten Schulen angewiesen sein — und das hat auch zum Teil natürlich seine guten Seiten, solange wir unter den Völkern wohnen. Ich möchte mich bei dieser meiner ersten Forderung nicht allzulange aufhalten, aus dem einfachen Grunde, weil sie kaum genügend berücksichtigt werden wird. Ihre Erfüllung ist auch so leicht nicht. Auch wird der V. J. St.-er erst mehr Jüdisches lernen müssen, um es lehren zu dürfen. Er wird mehr lernen müssen! Wenn wir aus dem Phrasenschwall, mit dem wir unsere Vergangenheit und unsere Gegenwart und unsere Zukunft zu verherrlichen belieben, herauswollen, müssen wir mehr, vor allem intensiver und gediegener arbeiten. Wir müssen die Grundlagen unserer Kultur, also zum mindesten die Bibel, kennen und verstehen. Wir müssen die Sprache unseres Volkes kennen. Und ich schlage allen Ernstes vor: hebräischer Unterricht muss eine offizielle Vereinsveranstaltung werden, für die zwei Semester der Fuxenzeit und die zwei der aktiven Burschenzeit. In vier Semestern

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