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Der jüdische Student · 1907-05-01 · Heft 2 (Mai 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 2 (Mai 1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der jüdische Student. 53 legen (und Hören nb.I) einer von uns jeweilig an der Universität (oder an einer anderen Hochschule) zu bestimmenden geeigneten Vorlesung und ebensolcher Uebungen — oder wir verlangen zunächst im Burschenexamen die Kenntnis eines von zu bestimmenden fachwissenschaftlichen Buches, ev. geeigneter Partien aus einem solchen. (Ich persönlich würde mich für den letzteren Weg entscheiden. Welches Buch oder welche Bücher wir auswählen, braucht heute noch nicht erörtert zu werden!) Und zwar müssen wir verlangen: einfache, aber nicht allzu elementare Kenntnisse in den Disziplinen der theoretischen Nationalökonomie, des Geld-, Bank- und Börsenwesens, des Genossenschaftswesens mit seinen hauptsächlichsten Formen und Anwendungsgebieten, der Statistik und — nicht zu vergessen. — auch des Staatsrechts. Erst wer von all diesen Dingen eine Ahnung hat, darf sich erlauben, über den Zionismus, seine Grundlagen und seine Aussichten mit — nachzudenken. Ohne das ist's eine Versündigung am Gedanken des Zionismus. Und dazu sollte uns der zu heilig sein. Wir hatten ja schon nationalökonomische Kurse, aber sie waren zu dürftig, und wir kontrollierten auch nicht ihren Erfolg am einzelnen. Das gerade ist sehr notwendig! Examina sind grausam, aber unumgänglich. Sieht man recht hin, so ist das, was ich als Grundlage für unseren Zionismus fordere, nicht mehr als eine Verproviantierung, die eben noch unseren „zionistischen Hausbedarf" deckt. Das sind also gar keine Extravaganzen, und von einer Ueberschreitung unseres Etats ist keine Rede. Und doch hat man sich in der Diskussion auch bei diesem Punkt so sehr auf die Hinterbeine gestellt. Als ob nicht, von meinem Gesichtspunkt aus, die volkswirtschaftliche Ausbildung unserer Mitglieder ganz in den Rahmen unserer Arbeitslinien passte! Nur darf man den nicht zu eng spannen. Dass man die Hineinziehung dieser Detailfragen in meinen Vortrag überhaupt verurteilte als von zu kleinlichen Gesichtspunkten ausgehend, das wird mich bald noch beschäftigen. Da wird sich, denke ich, zeigen, wer die Grosszügigkeit missversteht. Zunächst aber noch eins! Man wird mich fragen, wo die Zeit zu all dem hernehmen? Das ist sehr einfach. Wir ziehen eine Masse unsinniger Verordnungen und Veranstaltungen des Vereinslebens zurück. Die Anhänger des offiziellen Fechtens brauchen keine Furcht zu haben: ich werde sie in ihren löblichen Beschäftigungen nicht inhibieren. — Ich meine, zunächst fallen mal die wöchentlichen Vorträge weg, die doch grossenteils recht jämmerlich sind. Man kann sie meistens schon vorher irgendwo gedruckt — ich wollte sagen, vorempfunden lesen! Jeden Monat ein Vortrag vor der corona mit Gästen, ein guter Vortrag, aus tüchtigem Mund, das genügt — und langweilt auch nicht. Ob die Diskussionen uns schon je gefördert haben, lasse ich auch dahingestellt. Die Meisten debattieren über eine Sache, auf die sie nicht vorbereitet sind. Wir sparen also damit und gewinnen gleichzeitig 3 Abende, d. h. gut 8—9 Stunden im Monat.

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