Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1907)
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Der jüdische Student. Nach Entgegennahme des Kassenberichts wird beschlossen, die B. J. C. Kasse Strassburg vorläufig zu überlassen. XV. Der nächste ordentliche Kartelltag soll in Freiburg stattfinden Nachdem der Vertreter Königsbergs klargelegt hat, von welcher Wichtigkeit die Abhaltung des nächsten K. T. in Königsberg für den dortigen V. J. St. würde, wird Freiburg nahegelegt, auf den K. T. zugunsten Königsbergs zu verzichten. * * # Das Bureau des VI. o. K. T. wird dechargiert, der erste Präside mit dem Ausdruck des Dankes. Edgar Weill, Marcel Levy, 1. Vorsitzender des K. T. 1. Schriftführer des K. T. Ernste Worte über den Stand der V. J. St.ersache. Von Bruno Kirschner. (Schluss.) Es Hesse sich darüber noch mehr sagen, aber das erübrigt sich. Wer's einsehen will, sieht's ein, und die Böswilligen — es gibt auch solche unter den V. J. St.ern — werden sich nicht überzeugen lassen. Sie werden wahrscheinlich spotten und fragen, ob es nicht vielleicht auch ein Zeichen deutsch-nationalen Empfindens sei, dass sie Bier trinken und Kravatten tragen und dergleichen Unsinn mehr. Es lohnt sich nicht, darauf einzugehen: hier gilt auch das Wort: Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagrn, das Verständnis nämlich für so subtile Dinge! — Nun aber endgiltig zurück zu unserem Ausgangspunkt! Ich sage noch einmal: bei den meisten von uns können die nationaljüdischen Empfindungen nicht echt genug, die zionistischen Bestrebungen nicht gediegen genug sein. Für jene fehlt die Pflege, für diese die Schulung. Nun ist es ja richtig, dass — und das könnte als der allereinfachste Einwand gegen meine Ausführungen erscheinen! — dass der V. J. St. gerade diese Pflege und diese Schulung bieten will. Und hier möchte ich nun eben einsetzen mit meinen Sanirungsversuchen. Wir geben, scheint mir, multa, nicht multum; wir gehen mehr in die Breite als in die Tiefe. Unser Programm ist gut, aber unsere Arbeit taugt nicht viel. Ein bischen Schreierei in den Fuxenstunden, Einpauken von Tendenz und Bierkomment und unsere wöchentlichen Vorträge tun's auch nicht. Das verdirbt vielleicht gerade recht viel. Freilich, was soll man in den paar Semestern — mehr als vier oder fünf kontrollierbarer Semester kommen ja kaum 'raus — auch viel erreichen? Völlig indifferent zunächst unserem Gedanken gegenüber, grösstenteils ohne jüdische Vorbildung, kommen die meisten zu uns, den Einflüsterungen einiger Keilreden folgend und froh;