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Der jüdische Student · 1907-04-01 · Heft 1 (April 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 1 (April 1907)
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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34 Der jüdische Student. Kampf gewesen sein mag, haben uns diesen Willen eingepflanzt. Schon allein die Sprache, in der wir reden, uns unterhalten, in der wir in Stunden des Frohmuts scherzen und in schweren Stunden der Sorge traurig sind, die Sprache, in der wir denken und fühlen, hoffen und bangen — die deutsche Sprache schon und ihre Kultur sollte uns den starken Einschlag deutsch-nationaler Werte (zunächst in dem Sinne einer Empfindung, nicht einer Tendenz) lehren. Gerade Ausnahmen, die man so gern dafür anführt, dass die Sprache mit dem nationalen Leben nichts zu tun hat, Ausnahmen wie das vielsprachige Oesterreich, die Schweiz, Amerika sind unglücklich und bestätigen nur die Regel. Aber ich sage ja auch nicht, dass die Sprache die Merkmale der Nationalität erschöpft: sie ist nur eins der wesentlichsten. Vielleicht ist es interessant, zu hören, wie Moritz Lazarus, der Mann, der mit Heymann Steinthal zusammen die Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft herausgab und damit den Grund legte zu diesen Wissenschaften, über die Frage des nationalen Gehalts der Sprache dachte, ein Mann, der doch von derlei Dingen mindestens so viel verstand wie so mancher V. J. St.er. „Die Sprache ist das unverkennbare Band, welches alle Glieder einer Nation zu einer geistigen Gemeinschaft verknüpt; in der menschlichen Gemeinschaft durch das Bedürfnis des gegenseitigen Verständnisses erzeugt, bewirkt sie fortdauernd die Möglichkeit dieses Verständnisses. Das Kind . . . empfängt mit der Sprache des Hauses die erste Besonderheit des menschlichen Lebens; in ihr erfreut es sich des menschlichen Ausdrucks und damit des Bewusstseins; in der Familiensprache entwickelt es die Fähigkeit zu denken. . . So ist, soweit dieselbe Sprache reicht, die Berührung der Sprachgenossen der Austausch der mannigfaltigen Ausbildung des innerlich Einen." Und weiter: „. . Man kann im Bewusstsein Inhalt und Form unterscheiden. Der Inhalt liegt in den Empfindungen und den daraus gebildeten Vorstellungen und Begriffen nebst den ihnen anhaftenden Gefühlen. Die Form liegt in der Bewegung dieses Inhalts durch das Bewusstsein hindurch,, oder in der Verbindung der Elemente desselben. Sowohl im Inhalt, wie in der Form bekundet sich die Voikseigentümlichkeit, feiner aber, zarter und inniger in der Form. Alle Elemente nun, die das Volksbewusstsein ausmachen, Religion, Sitte, Verfassung usw. sind ein Gedankeninhalt; die Sprache allein stellt neben dem Vorstellungsinhalt in den Wörtern auch die Gedankenform dar,, die Gedankenbewegung, in der Wortbeugung und den Satzbildungsmitteln. Die Sprache. enthält nicht nur die Weltanschauung des Volkes, sondern ist Abbild der anscheinenden Tätigkeit selbst. Erst in späteren Zeiten der Kultur eines Volkes tritt die Wissenschaft auf und setzt in einzelnen Individuen die Kundgebung der psychischen Bewegung fort, welche in der Sprache sich allgemein geäussert hatte." (Was heisst national? e. Vorträg, S. 80, 8, 10, 12, zitiert.) Und mit der deutschen Empfindung hängt sehr innig

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