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Der jüdische Student · 1907-04-01 · Heft 1 (April 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 1 (April 1907)
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Der jüdische Student. 33 der Aehnlichkeit mit dem Worte Likör) mit „Destillation". Aber, wie gesagt, für die meisten liegt die Sache ganz einfach da, die Schwierigkeiten werden sich schon geben: jeder ist Politiker und Diplomat und Financier und Volkswirtschaftler in einem, ohne auch nur mehr über die Fragen gelesen oder gedacht zu haben, als in der Rundschau zu lesen und eben zu denken ist. Nun sind ja nicht alle Zionisten; es gibt doch immer noch verständige genug, ich rechne mich zu ihnen, die da sagen, dass ihnen der Gedanke sehr willkommen ist, aber dass die Fragen viel zu kompliziert sind, die Urteile der Fachleute noch zu wenig abgeklärt und überhaupt geklärt sind und die persönlichen Fachkenntnisse vorläufig noch viel zu dürftig, als dass man sich ein endgiltiges Urteil erlauben dürfte. Und dass es noch eines jahrelangen, vielleicht jahrzehntelangen Studiums der Judenfrage bedürfen wird, ehe man wird abschliessen können. — Dafür steht man nun um so fester auf national-jüdischem Standpunkt. Denn dieser verlangt nicht Stellung nehmen zu Problemen praktischer Natur, sondern beruht seinerseits lediglich auf der Basis eines natürlichen, angeborenen Gefühls. Er verpflichtet tatsächlich vorderhand weniger zu Taten als zu Gesinnungen. Aber hier, muss ich sagen, spielen sich auf dem Grunde ernster Naturen herzzerreissende Szenen ab. Denn hinsichtlich des national-jüdischen Standpunkts kommt es, muss es kommen zu Konflikten. Ich möchte wissen, woraus weiter bei den meisten von uns in Westeuropa erzogenen Juden das bewusstjüdische Gefühl anwachsen könnte als aus dem seelischen Vermögen, das wir nach dem Gesetz der Vererbung aus dem Samen unserer Eltern, weiterhin also unseres Volkes, bei unserer Erzeugung mitbekommen! Und das ist, aufs Judentum bezogen, herzlich wenig. Vielleicht nicht vielmehr als eine atavistische Reminiszenz, die im Leben zunächst keine, gar keine Belebung erhält. Was im Leben auf uns einwirkt von geistigen Grössen, intellektueller und „gemütlicher" Art, sind die Grundelemente der christlichen und der deutschen Kultur. Das muss man sich einmal scharf klar machen. Wir sind tatsächlich von Natur aus vielmehr deutsch-national (mit christlichem Einschlag) als jüdisch-national. Es kann heute nicht darauf ankommen, das Wesen des nationalen Bewusstseins zu analysieren, aber es wird so allgemein zugegeben werden, dass es ein nicht näher zu umgrenzendes Gefühl ist, das einen zu seiner Nation hinzieht, ein Gefühl, dem man sich absolut nicht entziehen kann. Wie z. B. etwa ein orthodoxer Jude, der theoretisch streng auf dem Standpunkt der Verwerflichkeit der Mischehe steht, im gegebenen Falle sich nicht dem Gefühl der Liebe zu einem christlichen Mädchen entziehen könnte aus dem mit dem Gefühl eng verbundenen Willen, es zu besitzen, es zu heiraten. So ist's auch bei uns deutschen Juden; viele Umstände eines verhältnismässig ruhigen Lebens haben uns aus dem Gefühl, dem deutschen Volk anzugehören, auch den Willen zur deutschen Nationalität abgerungen. Oder, da das in unserer Jugend gar kein so heisser

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