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Der jüdische Student · 1907-04-01 · Heft 1 (April 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 1 (April 1907)
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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32 Der jüdische Student. erhabenster Bedeutung — erst dann haben wir ein Recht, auf unsere Vergangenheit, unser Volk und seine Geisteskraft stolz zu sein. Erst dann, früher nicht. Denn dann braucht es keine Phrase mehr zu sein, wenn einer spricht von dem Kulturwert, den das jüdische Volk geschaffen hat, den es in sich repräsentiert; dann hat er ja diese Kulturwerte selber empfunden an sich als Werte, die eben auch ihm etwas gegeben haben. Dann erst hört unser Stolz auf unsere Vergangenheit auf, eine Phrase zu sein. — Wir werden also hebräisch zu lernen haben. Sehr eifrig und ernst. Das ist ein Stück Sanierungsarbeit. Wie sie möglich ist, davon später. Die durch keine Sachkenntnis getrübte Begeisterung für unser Altertum ist noch nicht die schlimmste Phrase. Sie ist zum mindesten ungefährlich. Uns und unserem Volk. Das kann man von einer anderen schon nicht mehr sagen. Ich meine die Redensarten, die wir (ich könnte mich eigentlich ausschliessen) in Bezug auf unsere Gegenwarts- und Zukunftsfragen im Munde führen. Da weiss ich oft nicht, was ich an Bundesbrüdern mehr anstaunen soll: Die Unfähigkeit, ihr eigenes Seelenleben zu analysieren, oder ihre sonstige Kritiklosigkeit gegenüber den sog. führenden Geistern im V. J. St. (und in der Rundschau), oder gar ihre Unwahrhaftigkeit. Es wird bei uns eine Rücksichtslosigkeit auf Seelenkompositionen ausgeübt, die unserer Jugendlichkeit alle Ehre macht. Man höre nur mal einen halbwegs tüchtigen V. J. St.er (was man so halbwegs tüchtig nennt), und es braucht gar nicht etwa in einer Tendenzrede zu sein, wie glatt dem alles von der Zunge, fast hätte ich gesagt, von der Seele geht. Und das ist überhaupt die Grundtendenz: Sturm und Drang in jeder Frage. Man ist zionistisch, oder doch — national-jüdisch, oder wenigstens offiziell: bewusst jüdisch, und wenn ein paar Männer in ganz unabhängiger Stellung (ich denke absolut nicht etwa an die Protestrabbiner), Männer von 40 und 50 Jahren mit Erfahrung und guter Logik, ganz zufällig nicht auf unserem Standpunkt stehen, unserem Standpunkt, den Jünglinge von 20 oder 22 Jahren geschaffen haben, Herr Gott, was kann man für den Idiotismus solcher Liberalen? Wir haben die Beschränktheit nicht gepachtet, also doch wohl unsere Gegner. Und der arme Herzl, der doch auch nur ein Mensch war (das dürfte übrigens für manchen V. J. St.er eine Neuigkeit sein), muss für all' unsere Dummheiten herhalten. — O ja, wir sind Zionisten. Die wenigsten von uns haben zwar eine Ahnung, was das heisst, ein Volk verpflanzen wollen, aber es ist Mode und Sport. Man hat keinen blassen Schimmer von Politik, Diplomatie, Nationalökonomie, Kolonisation, finanzieller Instrumentierung, sozialer Organisation, aber man spricht von allem. Der eine ist für die Kleinkolonisation, und hat sicherlich noch keine Kartoffel im Felde gesehen, dafür schwärmt aber der andere von den grossen Aufgaben der jüdischen Kolonialbank und verwechselt so ganz nebenbei den ihm völlig fremden, kaufmännischen Begriff „Liquidation" (wegen

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