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Der jüdische Student · 1907-04-01 · Heft 1 (April 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 1 (April 1907)
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Der jüdische Student. 29 einen neuen Beweis der Lebensfähigkeit unseres Gedankens geliefert haben, halte ich es für überaus notwendig, einmal den inneren Zustand des B. J. C. selber zu untersuchen, dessen Position nach aussen hin ja, wenn ich nicht irre, gefestigt, um nicht zu sagen: glänzend ist. Handelt es sich um eine solche ernste Erwägung von Fragen, ich möchte sagen: innerpolitischer Natur, so werden wir gut daran tun, alle Schäden aufzudecken und keinem das Mäntelchen jüdisch-christlicher verzeihender Liebe umzulegen. Ich meine, wir werden mal nicht von unserer Sache in Phrasen und Lügen, oder (ein wenig gelinder ausgedrückt) mit bewussten und unbewussten Unwahrheiten zu sprechen haben. Ich bin ganz überzeugt, das wird vielen, den meisten unter uns herzlich schwer fallen. Wir haben uns in der Tat, ohne dass es die Masse der V. J. St.er offenbar gemerkt hat, in einen Schwall von tönenden Redensarten und hohlen, nichts-, aber auch garnichtssagenden Phrasen in den verschiedensten Nuancen hineingeredet, so dass es schwer sein wird, einmal einfach zu reden. Wir wollan heute mal ganz den Ton der Farbenlieder und der Flugblätter und der Keil- und Tendenzreden sparen. Wir wollen mal heute ausnahmsweise nicht „für Judas Ehre unser Blut und Leben" lassen, wir haben ja auch noch 'was anderes zu tun. Dafür werde ich hoffentlich den Beweis nicht schuldig bleiben. Worüber ich sprechen will — oder wenn auch vielleicht nicht gerade über dieselben Punkte, so doch jedenfalls aus derselben Stimmung heraus über das gleiche Thema — darüber ist schon gesprochen worden; wahrscheinlich in aller V. J. St.en schon und überall mit demselben negativen Erfolg. In Berlin dürfte in grösserem Stil Zwirn auf einem Schlusskonvent vor mehreren Semestern die innere Dekadenz des Vereins scharf, pessimistisch, aber nicht ungerecht beurteilt und verurteilt haben. Ich erinnere mich, dass er damals, als er sich an die Führenden im V. J. St. wendete, sie fragte, was zu einer Sanierung des Vereinslebens führen könnte. Man ibt ihm an dem Abend die Antwort schuldig geblieben, ioh glaube bis heute. Es sind — ich weiss nicht, ob auf diese Anregung hin — Kurse und seminaristische Uebungen eingerichtet worden, die einer allzu krassen Ignoranz, wie sie sich vorzubereiten schien, vorbeugen sollten: Geschichtskurse, Palästinakurse, hebräische Kurse und andere. Sie waren zum Teil gut, zum Teil noch schlechter besucht, sie haben dem einen oder dem andern viel gegeben, den meisten wahrscheinlich gar nichts. Wir (ich meine die sog. wissenschaftliche Kommission, der ich angehöre) haben eine gewaltige Fuchsenprüfungsordnung geschaffen, mit unserer stammesheiligen Zahl von 7 Punkten, und haben dadurch auf der einen Seite eine gewisse Ordnung und Gleichmässigkeit in die Examina hineingebracht, und andererseits die Schematisierung im Vereinsleben auf den Thron der uns beherrschenden Ideen gehoben. Solange es vorkommen kann, dass Füchse vor dem Examen fragen; was muss man zum Examen gelesen haben, und damit nicht etwa ihre

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