Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 4 (1907-1908)
- Issue
- Heft 1 (April 1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student. 27 müssen wir in Berlin bei den Lesehallenwahlen immer wieder die Zitate unserer Redner aus früheren Wahlkämpfen mit anhören, ohne dass wir etwas dazu sagen könnten. Und auf den Kartelltagen herrscht oft das heilloseste Wirrwar, wenn es sich darum handelt, wie es bisher oder früher gewesen sein soll. Und dann: unsere Bewegung ist doch im Rahmen nicht nur der studentischen Verhältnisse, sondern auch rein vom jüdischen Gesichtspunkt aus betrachtet, ein recht interessanter Ausschnitt aus dem Bilde unserer Zeit. Und schon nach 10, 20 Jahren werden spätere Generationen an dem B. J. C. von heute ein, wenn auch kleines, Stückchen jüdischer Geschichte studieren können. Mancher von denen, die heute noch studieren, ist vielleicht dann schon ein bewährter und tüchtiger Mann im jüdischen Leben; man wird gerne prüfen, soweit es möglich ist, wieweit der B. J. C. dazu geholfen hat. Wir brauchen also ein Archiv, die Sammlung aller der Dokumente die für unsere Bewegung und darüber hinaus die jüdischstudentische im weitesten Sinne von Interesse sind. Das Archiv muss zunächst alles das haben, was in jedem Vereinsarchiv vorhanden sein soll: A.C.- und B. C-Protokolle, Tagebücher, Beschlussbücher, Matrikeln (die man oft Chroniken nennt!), und alle wichtigen Briefe an die Vereine und von den Vereinen, dann Flugblätter, Festschriften, auch Bierzeitungen, Programme von Festlichkeiten; ferner die Niederschriften von Vorträgen und Reden und alle Veröffentlichungen von Bbr. Bbr., über welche Themen auch immer; ebenso Statuten, Geschäftsordnungen, Fuxenprüfungsordnungen, Ehrenratsordnungen usw. Als Archiv des B. J. C. muss das Archiv alle Akten des Kartells als solchen enthalten; also die Protokolle aller Kartelltage, den Briefwechsel der Präsidialvereine resp. des Präsidiums, alle Veröffentlichungen über den B. J. C. oder seine Vereine, von wem auch immer sie stammen, gehören hierher, ganz gleich, wo sie erschienen sind; nicht weniger natürlich alle Veröffentlichungen des B. J. C. selbst. Naturgemäss müssen wir auch alle Dokumente sammeln über den K. C , das K. Z.V., die übrigen jüdischen und quasi jüdischen Korporationen; ja, soweit das Thema Judenfrage und Studentenschaft inbetracht kommt, auch über alle anderen studentischen Verbände, speziell über den V. D. St. Natürlich müssen Strömungen wie die Bewegung gegen die konfessionellen Verbindungen, der akademische Freiheitsrummel, und neuerdings die Hetze gegen die ausländischen Studenten Gegenstand unserer Aufmerksamkeit sein. Das alles müsste im Archiv vorhanden sein; und es ist klar, dass für dieses Archiv nicht ein einzelner sammeln kann, sondern jeder Verein, jeder V. J. Ster. mitarbeiten muss. Man suche in alten Zeitschriften und Zeitungen und überwache die erscheinenden, um jedesmal, wenn einem etwas von Interesse begegnet, es dem Archiv mit genauer Angabe des Datums und Ortes des