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Der jüdische Student · 1907-04-01 · Heft 1 (April 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
4 (1907-1908)
Issue
Heft 1 (April 1907)
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Der jüdische Student. 25 befürchtete. Nach neunwöchentlichen Verhandlungen mussten wir unseren Tendenzparagraphen, der dem Rektor zu selbstbewusst, er sagte, provozierend, klang, formell ändern. Wir erlangten unsere Bestätigung endlich am 31. XII. 07. Die neu eintretenden Füchse werden nicht auf unser, sondern auf das Kartellprogramm verpflichtet. Zu unserer grossen Freude meldeten sich, ohne dass wir eine besonders grosse Keiltätigkeit entfalteten, bald neun Füchse aktiv. Wir gaben jedoch schon in den ersten Wochen zwei Füchse, Oppenheim und Bär, als unbrauchbar ab. Das Vereinsleben gestaltete sich, wie es in einer kleinen Stadt natürlich ist, sehr innig. Sonnabend war Kneipe, Mittwoch nachmittags Turnen und abends Konvent. Die Fuchsenstunden erteilten Dalberg (Geschichte) und Schaumberg (Komment). Wir fasten wöchentlich fünfmal offiziell. Auf dem 6. K. T., auf dem wir durch zwei Delegierte (Leeser X und Schutz X X X) vertreten waren, wurden wir provisorisch in <len B. J. C. aufgenommen. Am 12. Januar hatten wir unser Gründungsfest, das für uns sehr günstig ausfiel. Der Vertreter der hiesigen Gemeinde, der „Jüdisch-wissenschaftlich, geselligen Vereinigung", des Jüdischen Kegelklubs und vor allem der Provinzialrabbiner Dr. Münk waren offiziell erschienen und drückten uns ihre Freude über unsere Gründung aus. Mit den beiden oben genannten Vereinen stehen wir in freundschaftlichen Beziehungen und laden uns gegenseitig zu unseren Festlichkeiten ein. Bei den wissenschaftlichen Vorträgen der J. W. G. V. waren wir fast immer vollzählig vertreten. Im Laufe des Semesters besuchten uns unter anderem A. H. Dr. Bernhard Westheimer, der uns eigne schwere Waffen nebst Verbandkasten zu dedizieren versprach, A. H. Redakteur Lothar Starck und A. H. Referendar Schindler. Leider zeigte sich im Laufe des Semesters, dass unser Erstchargierter Leeser seiner Aufgabe nicht gewachsen war und mehrere grobe Fehler machte. Eine Kritik seiner Handlungen im B. C. konnte er nicht ertragen, und reichte, alles auf seine Person beziehend, sein Gesuch um Decharge und Austritt ein. Als er das Gesuch nach einer ihm gewährten dreitägigen Bedenkzeit aufrecht erhielt, bewilligten wir es. Dies hatte Leeser nicht erwartet, da er sich für unentbehrlich hielt. Er reichte jetzt zweimal das Gesuch um Wiederaufnahme ein, das wir aber nicht bewilligten. An Leesers Stelle trat cand. jur. Julius Dalberg. Am 25. II. d. J. kamen wir um Aufnahme in den allgemeinen Studenten-Ausschuss ein. Da das Gesuch, soweit ■wir die Stimmung kennen, ohne weiteres genehmigt werden wird, werden wir im kommenden S. S. sehr oft offiziell öffentlich auftreten müssen. Es ist deshalb unbedingt nötig, dass möglichst viele Bbr. Bbr. hierher kommen. Marburg ist bekanntlich eine der schönsten Sommeruniversitäten Deutschlands und bietet bei seiner wundervollen Lage sehr viele landwirtschaftliche Schönheiten. Auch für das Studium bietet die hiesige Universität, besonders für Mediziner, sehr viel. Das Leben ist hier verhältnismässig billig, so dass man mit einem Wechsel von 100 Mark bequem auskommt.

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