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Der jüdische Student · 1905-12-01 · Heft 4 (Dezember 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 4 (Dezember 1905)
Date
1905-12-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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___;--121 In anerkennenswerter Weise hat mein Rezensent sich bemüht, jenen verborgenen Pfaden und Stegen der Komödie nachzuspüren. Mit Genugtuung bemerkte ich, wie ernst er die Sache nahm, wie er Plato, Aristophanes, Shakespeare, Goethe, Schiller, Kleist und Hebbel gegen mich und meine Komödie ausspielte und ins Feld führte, wie er das schwere Geschütz dramaturgischer Theoreme auffuhr — mit dem Schwert beweist der Skythe —, kurz, wie er meine Komödie ernsthaft tot schoss, mausetot, und dann ohne sich umzusehen die Walstatt verliess. — Die Sache hat jedoch einen Haken; ich bin nämlich der Ansicht, und glaube Grund dafür zu haben, dass mein Stück schon einen Puff vertragen kann, ja, dass seine Konstitution kräftig genug ist, acht Seiten lange, stellenweise auch nicht gerade sanfte Rezensionen zu überstehen. Und daher nehme ich an, dass das Stück nach dem schweren Kampfe fröhlich sein Haupt erheben und kräftig hinter dem abziehenden Donnerwetter herlachen wird, ein echoerweckendes Lachen, ein Lachen, das dem Stück als Komödie ja durchaus anstehen wird: und wer zuletzt lacht, lacht am besten. Man sieht, worauf ich hinaus will und welches Missgeschick mich bezw. meine Komödie betroffen hat: sie ist tragisch genommen worden, viel zu tragisch. In keiner Weise war sie bestimmt, mit dem Masse antiker Komödien, mit dem Masse unserer Dichterheroen, kurz mit dem Masse der Vollkommenheit gemessen zu werden. Um sie und ihre Eigenart zu würdigen, bedurfte es keiner theoretischen Ausführungen über das Wesen der Komödie überhaupt; weniger wäre auch hier, wie so oft, mehr gewesen. Das ist es, was ich meinem Rezensenten in erster Linie entgegenzuhalten habe. Wer da bauet an den Gassen, muss die Leute reden lassen. Aber wer eine Barockvilla baut, der braucht sich kein Privatissimum über antike und klassische Architektur lesen zu lassen. Und ich brauche wohl Emil Cohn nicht erst zu erzählen, dass auch die Anforderungen, die man an ein „Drama" zu stellen sich gewöhnt hatte, in neuerer und neuester Zeit gewisse Wandlungen durchgemacht haben, dass man das epische sowohl wie das lyrische Element im Drama heute mehr betont als je, dass auch leichter gezimmerte Komödien Daseinsberechtigung haben, wenn sie nur lebenskräftig genug sind, und dass die Kürassierstiefelperiode des Dramas seit geraumer Zeit vorüber ist.

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