Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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122- Mir erscheint es nicht zweifelhaft, dass neben dem gewaltigen und heiligen Lachen der grossen Komödie auch das frohe und feine Lächeln, das ein komisches Spiel in uns auslöst, seine Berechtigung hat. Und diese Tatsache ist es, was ich an zweiter Stelle der Rezension gegenüber zum Ausdruck bringen musste. Auf die Erörterungen meines Rezensenten über die Komödie „an sich" brauche ich nicht einzugehen. Gern erkläre ich, dass er sub specie aeternitatis recht hat; ebenso gern aber gebe ich zu. dass zu einem Ewigkeitswerk meiner Komödie noch diese und jene Qualitäten fehlen mögen. Welche das sind, möchte ich, wie bemerkt, nicht gern erörtern. Auch würden sich hier manche prinzipiellen Gegensätze zwischen mir und meinen Rezensenten zeigen. Doch wohin sollte das führen? Ueber nichts lässt sich so wunderschön streiten, wie über theoretische Axiome; leicht beieinander wohnen die Gedanken, der Raum des , Jüd. Studenten" aber ist beschränkt. Nicht reden will ich schliesslich von der vollständigen Verkennung der organischen Anlage meiner Komödie, einer mir fast unverständlichen Verkennung, die aus Emil Cohn's Ausführungen evident hervorgeht. Nicht reden will ich von dem Vorwurf der Dürftigkeit, des Episodenhaften vieler Stellen, sowie davon, ob das „Parterre" das Stück ,;mit Fingerkribbeln anhören" wird. Von allem diesem will ich nicht reden, trotzdem jedes einzelne mir Gelegenheit bieten könnte, gegen meinen Rezensenten Stellung zu nehmen. Doch über all diese Fragen entscheidet ein höherer Richter, als ich es bin, ein höherer selbst, als Emil Cohn es ist: es entscheidet darüber das Publikum, diejenige Oeffentlichkeit, an welche ich mich mit meinem Drama wende, an welche das Drama selbst sich wendet. Und diese Entscheidung gilt es abzuwarten. *) *) Zu dieser Antikritik hat der Verfasser des Artikels „Jüdische Komödie" nichts zu bemerken, als dass er. zugleich als Redakteur dieser Zeitschrift, dem Wunsche Ausdruck gibt, es möchte sich im Anschluss an die beiden Auseinandersetzungen eine Aveitere recht lebhafte Diskussion eröffnen.