Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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--IISfinden, und uns einzig und allein auf die Frage beschränken: Wie weit ist es dem Verfasser gelungen, dem künstlerischen Ideal nahe zu kommen? — Ich halte das Drama in Anlage und Ausführung für verfehlt. Vier Akte hat das Stück, dabei aber eine Handlung, die knapp für einen Akt ausreichen möchte, jedenfalls bequem in einen Akt zusammengedrängt werden könnte. Wie das möglich ist, hat uns Ibsen gezeigt. Es gibt nun zwar auch Stücke und gute Stücke, denen die äussere Handlung, wenn auch nicht im gleichen, so doch in annäherndem Masse fehlt. Diese haben dann aber wenigstens eine innere Handlung. Unserem Stücke fehlt auch sie. Erst im letzten Akte setzt etwas wie eine Wandlung in den Charakteren ein, aber ohne alle tiefere Begründung, blitzschnell und äusserlich. Von einer tiefgreifenden Umwälzung verspüren wir nichts. Wo keine Handlung ist, da vermag der geistreichste Witz in der Komödie nichts zu retten. Die Langeweile wird sich im Parterre breitmachen und den einen Akt, den der Verfasser in vier auseinandergezerrt hat, mit Fingerkribbeln anhören. Im ersten Aufzug, der uns in die Villa des Berlin W.-Juden, des Kaufmanns Max Hirschwald führt, erfahren wir, dass am Abend in seinem Hause ein Gartenfest stattfinden würde. Wir hören von einem Baron v. Euchtritz sprechen, der der Tochter des Hauses, Steffi, die Kour schneidet, und lernen einen jungen Zionisten Samuel Eliasberg aus Rawitsch kennen, der auch zum Abend geladen ist, und vorher seine Visite macht. Das ist die „Handlung" des ersten Aufzuges. Im zweiten Akt, der uns auf das Gartenfest versetzt, sehen wir zwar eine Menge Juden herumlaufen, die über die Judenfrage debattieren. Geschehen aber tut im ganzen Akte nichts. Ja, doch. Nur leider hinter der Szene. Um uns aber zu sagen, was da im zweiten Akte hinter der Szene vorgegangen ist, braucht der Verfasser einen dritten Akt. Da hören wir denn, dass der genannte Herr Baron den jungen Herrn Hans Hirschwald auf dem Gartenfeste angepumpt und den jungen Herrn Samuel Eliasberg auf dem Wege nach Hause angerempelt hat. Ausserdem bringt uns dieser Akt noch etwas Neues: Der Herr Baron erscheint nämlich wiederum im Hause Hirschwald, um — man höre und staune — den Pump noch einmal zu versuchen. Da aber seine Bemühungen abermals ohne Erfolg bleiben, geht er ab und kündigt für den vierten Akt die Ausführung eines nur allzu deutlichen Entschlusses an. So erfolgt