Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112-<->-:-- jüdischen Theologen, der uns Kraft für den Lebenskampf gibt, der sie uns gibt, indem er -die alten Wahrheiten unseres Volkes für uns lebendig, aber lebendig macht. jT JÜDISCHE KOMÖDIE. Von Emil Cohn. Plato rührte an die tiefsten Geheimnisse der dramatischen Kunst, wie der Kunst überhaupt, als er im Symposion den bekannten Ausspruch tat, dass es die Sache eines und desselben Mannes sei, Tragödien und Komödien zu schreiben. Jede Tragödie hat den Keim zum mindesten einer Komödie in sich, und jede Komödie tanzt hart am Abgrund des Tragischen ihre lustigen Sprünge. Den Stoff beider Gattungen des Dramas bilden die Antithesen unseres Lebens. Der Unterschied besteht nur darin, dass die Synthesen verschieden erfolgen; sowohl im ganzen, als auch im einzelnen. In der Tragödie scheitern die Menschen an den Antithesen, in der Komödie die Antithesen an den Menschen: eine Gegenüberstellung, die natürlich nur cum grano salis zu nehmen ist. Der beste Beweis jedenfalls, wie nah die beiden dramatischen Formen einander liegen, ist die Existenz des Begriffes 4er Tragikomödie. Darunter versteht man ein Drama, das aus tragischen Anfängen sich zum komischen Ende auswächst. Leider wird diese Form, welche Gozzi kultivierte, heute kaum noch geliandhabt, von der umgekehrten Möglichkeit einer Komitragödie hat man meines Wissens überhaupt noch nie gesprochen. Und doch liegen in beiden Kunstarten die Keime höchster dramatischer Wirkung verborgen. Der Mann freilich, der sie zum Leben «erwecken könnte, ist noch nicht gekommen. Im allgemeinen ist die Komödie neben der Tragödie von den Dichtern stets stiefmütterlich behandelt worden. Die beiden einzigen und deshalb grössten, welche beide Kunstformen gleich meisterhaft benutzten, sind Shakespeare und Heinrich Kleist. Schiller, welcher theoretisch sogar der Komödie den Vorzug gab, versuchte sich garnicht erst in ihr, und Hebbel, welcher ihre Bedeutung wohl erkannte, scheiterte infolge seiner einseitigen Ver-