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Der jüdische Student · 1905-12-01 · Heft 4 (Dezember 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 4 (Dezember 1905)
Date
1905-12-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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110- — um so schlimmer, weil sie den Stand trifft, der am meisten Reinheit verlangt — für eine allgemein zugestandene Tatsache gehalten. Von Rabbinern selbst ist darüber energisch genug gesprochen worden. Ich möchte hier nicht deutlicher werden. Das ganze Streben meines Artikels ging darauf, nur soweit es unbedingt notwendig war, von diesen hässlichen, teilweise schmutzigen Verhältnissen zu sprechen. Ich wollte nicht so en passant die ganze Frage anschneiden und will mich auch jetzt nicht dazu verleiten lassen, zumal ich ja entscheidendes Gewicht gerade darauf nicht gelegt habe. Wer meinen Artikel nochmals liest, wird sehen, dass das, wogegen Eschelbacher hauptsächlich polemisiert, etwa eine halbe Seite einnimmt. Ich habe ja neue positive Forderungen aufgestellt, allerdings auch die nur andeutungsweise, weil es mir ja garnicht darauf ankam, die alte und die neue Aera der jüdischen Theologie zu schildern, sondern nur unseren Theologen nach meinem besten Wissen und Gewissen zu sagen, warum sie V. J. Ster. bleiben sollen und müssen. Aber neue Forderungen für die jüdische Theologie lehnt Vbr. Eschelbacher energisch ab. Trotzdem kaum eine Zeit so umstürzende Veränderungen herbeigeführt hat, wie die eben vergangene, trotzdem Zionismus und Nationaljudentum, veränderte soziale Verhältnisse, neue Gesellschafts- und Geschichtsauffassung, Umbildung von Moral und Sittlichkeit, von Weltbild und Weltbetrachtung doch wahrhaftig den Rabbinern neue Aufgaben stellen sollten, bleibt für Eschelbacher alles tinverändert. Ja! dass ich es nur ganz gerade heraussage, das hat mich ja so empört, dass in mir der Wunsch wach wurde, meine Meinung zum Ausdruck zu bringen, diese ganze abgelebte historische" Schule, die den Rabbiner zum Kleinkrämer in Religion macht und gerade ihn abseits vom ganzen Neuleben und Neuwerden der Moderne und speziell der jüdischen Moderne stellt. Und das letzte Bollwerk gegen solche banausische Auffassung, der V. J. St., sollte den Theologen genommen werden? Darum sprach ich, weil ich die Gefahr sah, und weil mich der Hochmut der Nüchternheit, die aus ihrem Nichtverständnis all des leise Werdenden und Spriessenden ihren Stolz gemacht hat, empörte. Aber durfte ich denn noch zu Theologen sprechen? Ich bin ja vom Ross gefallen und habe nicht einmal für mich das erreicht, was ich jetzt anderen zeigen will. Wer mir und meinen Freunden dieses Recht abspricht, muss erst nachweisen, dass wir, weil nicht beamtete Rabbiner, das

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