Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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-,-■-109 wir hoffen heute noch, dass sie ihre Pflicht erkennen, und, wie es sich gebührt, bei dem schweren Werk mitschaffen werden. Sollten wir uns aber, was wir nicht annehmen wollen, getäuscht haben, dann richten wir an sie die ebenso höfliche, wie dringende Bitte, „Lasst uns in Ruh und stört unsere Kreise nicht. Der neue Verein ist noch sehr, sehr schwach. Ihr werdet es nicht verantworten können, wenn das Kindlein zu Fall kommt, weil bei den ersten Gehversuchen Ihr ihm einen Knüppel zwischen die Füsse geworfen habt." Erwiderung von Dr. Arthur Biram (A. H.-Berlin). Der vorliegende Artikel, gegen meine Ausführungen über „V. J. St. und Theologie* * gerichtet, wird mir zur sofortigen Stellungnahme übersendet. Zunächst das Persönliche. Wir sind Menschen von Fleisch und Blut, und eine Polemik wird nun einmal nicht zart geführt. Aber dabei durfte doch hier nicht das Rüstzeug offizieller Polemik angewandt werden: Charakterschilderei des Gegners, Blütenlese von einzelnen Sätzen, Lächerlichmachen des Gegners durch Uebertreibungen und Unterschiebungen. Das mag im Parteikampf notwendig sein, da muss einer Recht behalten, und in der von Vbr. Eschelbacher angewandten Manier kann alles bewiesen werden. Hier, wo wir unsere Meinungen unter einander austauschen sollen, wo divergierende Ansichten auf Grund — wie man wenigstens annehmen sollte — gemeinsamer Grundanschauungen sich auseinandersetzen sollten, passt dieser Ton nicht. Das muss ich sagen, obwohl sich die Angriffe gegen mich richten. Die sachlichen Ausführungen von Vbr. Eschelbacher richten sich nicht gegen meinen Artikel, sondern gegen einzelne dabei zu Grunde gelegte Anschauungen. Ich war der Ansicht, dass der Rabbinerstand neuen Blutes und neuen Geistes bedarf. Vbr. Eschelbacher bestreitet das. Der Rabbinerstand enthält nach ihm bis auf einzelne schlechte Bestandteile den idealsten Teil der jüdischen Akademiker. Vbr. Eschelbacher sollte einmal im Verein eine Umfrage halten, wieviel Liebe wir so im grossen und ganzen unseren Rabbinern, den Lehrern unserer eigenen Jugend, entgegenbringen. Es ist meistens teils Hass, noch schlimmer — Verachtung. Das muss doch sozusagen einen Grund haben. Ich hatte allerdings die weitgehende Korruption des Rabbinerstandes