Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (Dezember 1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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--1--107 Phrasensymphonien der jungtheologischen Musikantenschule. Wir dürfen wahrhaftig zufrieden sein mit dem, was unsere Rabbiner leisten. Freilich, es weiss kein Mensch davon. Das liegt aber in der Natur der Sache. Ein Architekt ist dem Rabbiner gegenüber in glücklicher Lage. Er braucht nur ein Haus zu bauen, und sinnfällig kann er Jedem zeigen, was er geleistet hat. Was aber der Rabbiner schafft, kann man nicht sehen und nicht greifen. Bemerkbar macht es sich oft erst dann, wenn eine Gemeinde keinen Rabbiner mehr anstellt, und nun plötzlich das jüdische Leben zu verfallen beginnt. Wer weiss denn etwas von dem verstorbenen B.? Und die Beispiele Hessen sich mehren. Einer unserer ersten Midraschforscher, den seine Anlagen und Leistungen zu jeder Professur befähigen würden, sitzt seit bald dreissig Jahren als Rabbiner in einem kleinen Nest im Posenschen. In wissenschaftlichen Kreisen geniesst er hohe Autorität, aber wer weiss darüber hinaus etwas von ihm? Da hat vor wenigen Monaten ein Rabbiner ein Werk über den Pentateuch veröffentlicht. Sachkenner sagen, er habe sich damit in die erste Reihe der Exegeten gestellt. Wer wusste bisher von diesem Mann, der schon seit Jahren wissenschaftlich arbeitet? Und wer wird in Zukunft von ihm wissen? „Theologen, sagt Biram, die noch immer Synagogen- und Synagogenverbandsinteressen für jüdische Interessen schlechthin halten, haben bei uns nichts zu suchen." Wenn wir die Reihen unserer Rabbiner und ihr Wirken überschauen, dürfen wir diese Worte als das betrachten, was sie sind, als ein unüberlegtes Absprechen. Gewiss steht wie andere Stände ebenfalls auch der Rabbinerstand vielen Aufgaben hilflos oder schlecht gerüstet gegenüber. Gewiss fordert Vieles die Kritik heraus. Zu solcher Kritik ist Jedermann berechtigt, und wir selber machen, wie unseren Freunden bekannt ist, von dieser Befugnis den ausgiebigsten Gebrauch. Wir nehmen auch die Kritik dankbar von Jedem an, der die Sache fördern will, am liebsten von dem, der durch sein Beispiel neue Wege uns zeigt, aber von Denen werden wir sie uns stets entschieden verbitten, die auf halbem Wege stehen geblieben sind und nun dennoch vom hohen Ross herab uns mit Belehrung über die Strasse, die sie (in der Idee!) beinahe einmal eingeschlagen hätten, abkanzeln wollen. Zu dem, was wir noch zu erstreben haben, gehört z. B. auch ein rechtes Standesbewusstsein, vor Allem unter den jüngeren Theologen. Der Rabbiner steht mit den Forderungen, die er zu