Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1905-12-01 · Heft 4 (Dezember 1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 4 (Dezember 1905)
Date
1905-12-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537636-3537640--0478-3538547
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

erfüllt ist von der Bedeutung des Judentums und seines Berufs, und der mit Einsatz aller Kraft mit freiem Blick auch im engen Kreise schafft. Und Birams Kampf scheint sich nicht gegen die Rabbiner, sondern gegen die Philister unter ihnen zu richten, die in der „beschränkten Atmosphäre des Khillejudentums" verkommen. Es mag sein, jenen zahlreichen Juristen, die in der Juristenzeitung nur die Seite mit den Personalnachrichten lesen, jenen Zionisten, die in der „Welt" nur das Verzeichnis der Spenden zum Nationalfond studieren, mögen auch im Rabbinerstand Leute entsprechen, denen das Judentum nur „ein borniertes Interesse für Aemterbesoldungen, Kantorenqualitäten und Vor^tandswahlen hervorruft". Uns sind solche Leute übrigens nur unter den Studierenden, nicht unter den im Beruf tätigen Rabbinern bekannt. Die ernste Arbeit im Amt bat vielmehr auch den Gleichgültigsten stets die bisher mangelnde Liebe erweckt. Wir würden uns freuen, wenn für den Kampf gegen diese Philister, die, wie überall, auch im Rabbinerstand vorkommen können, in Biram der Simson uns geboren sein sollte. Nur möchten wir dann ge-ne wissen, warum er mit seinem Artikel gerade gegen den Hörerverein, der ähnliche Zwecke verfolgt, sich wendet. Birams Ausführungen mussten infolge ihrer nicht geschickten Fassung die Meinung erzeugen, als führe d*e Tätigkeit des Rabbiners zur „Versumpfung im elenden Morasc des Khffiejudentums", und so zwingt uns Biram, mit dem Geist dioser Anschauung, den er wider Willen beschworen hat, uns auseinanderzusetzen. Die Vokabel „Khillejudentum" könnte uns erzählen, wie ein Schlagwort auch vernünftigen Leuten den Kopf verdrehen kann. Denn nicht viel ist im Judentum so sehr berechtigt und am Platze, wie eben die Sorge für die Gemeinde. Seit dem Untergang des jüdischen Staates ist das Judentum in Gemeinden organisiert, die Summe aller Gemeinden bildet das Judentum. Nur dann erfüllt der Rabbiner seinen Beruf, wenn er für seine „Khille" sorgt. Und man glaube ja nicht, das sei einfach und leicht, nein, das ist eine schwere Aufgabe und erfordert viel Arbeit und viel Hingebung. Eine Weltanschauung sich zu bilden und Bücher darüber zu schreiben, ist im Verhältnis dazu keine grosse Kunst, aber guten Religionsunterricht zu geben und so zu predigen, dass die Gemeinde etwas davon hat, das ist viel, viel schwerer, das erfordert unablässige Sorge und ständiges Mühen. Wer das religiöse Leben in seiner Gemeinde pflegt, wer sich darum bemüht, dass alle ihre Organisationen in gutem Stand seien, dass

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.