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Der jüdische Student · 1905-09-01 · Heft 3 (September 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 3 (September 1905)
Date
1905-09-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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- 97 für katholische Verbindungen übrig haben, es ist doch nicht einzusehen, wie ihre Gründung die akademische Freiheit berühren soll, und mit welchem Recht in deren Namen die Unterdrückung jener Verbindungen gefordert werden kann." — Der letzte Gedanke ist „unzweifelhaft" wahr, aber den Studenten sicher eine unangenehme Wahrheit. Sie leichter und fröhlicher zu ertragen, dienen die hier gesperrt gedruckten Worte, welche ja das Unangenehme der Wahrheit den jüdischen und katholischen Korporationen in die Schuhe schieben. Wann und wodurch anders hätten diese Korporationen je sich lästig gemacht, als durch ihre Existenz allein. Sie wären wahrlich zufrieden, wenn sich niemand um sie kümmerte. — Sollte man nun aber weiterhin nach solchen Ausführungen nicht glauben, dass der Verfasser ein scharfer Gegner der antikonfessionellen Studentenbeweguug sei? Er ist es wohl auch, aber auf Seite 66 stimmt er dem Proteste der Studentenschaften gegen die konfessionellen Verbindungen mit Begeisterung bei. „Dieser vielstimmige Protest gegen die konfessionellen Verbindungen, diese einmütige Kriegserklärung gegen sie ist — das können wir auch jetzt nicht verhehlen — formell unstatthaft (also auf einmal nur formell? Red.), materiell vom deutschnationalen Standpunkt aus unanfechtbar. Was römisch ist, kann nicht gleichzeitig: deutsch sein; was jenseits der Berge seine Wurzeln hat, ist fremd auf deutschem Boden. Das fühlt die akademische Jugend mit sicherem Instinkt. Sollen wir trauern darüber, dass solcher Geist auf unseren Universitäten herrscht?" — Alles in allem wird sich der Verfasser mit seiner Broschüre keine Feinde gemacht haben. Vielleicht sollte sie wirklich eine Friedensschrift werden. Ich glaube aber, dass, wer einmal Partei genommen hat in diesem Kampfe, bei ihr keinen Frieden finden wird, ja, ich fürchte fast, sie wird niemandem munden. Warum? Weil sie nach jedermanns Munde geschrieben ist. — Die zweite Schrift ist von Paul Baecker, dem Herausgeber der „Akademischen Blätter" und Mitredakteur der „Deutschen Zeitung" verfasst und als der erste Band einer „Nationalen Bücherei: Deutsches Wollen" (herausgegeben von Dr. 0. Hötzsch u. Walther Gräf) erschienen. Das Hauptgewicht dieser Arbeit ruht auf dem historischen Teil, der eine Entwickelungsgeschichte der akademischen Freiheitsbegriffe und Freiheitsbestrebungen vom Mittelalter -an gibt. Ein Urteil über den wissenschaftlichen Wert dieser Darstellung, ob sie originell oder einfach zusammenfassend ist, steht uns nicht zu. Jedenfalls ist sie nicht uninteressant zu lesen. Weit interessanter aber ist der tendenziöse Teil, der die gegenwärtigen Verhältnisse behandelt und mit „Weiteren Wünschen für die akademische Freiheit" schliesst. Er ist für uns V. J. St.'er vor allem darum von Interesse, weil sich in ihm die positive Tendenz des Vereins deutscher Studenten, dessen Alter Herr der Verfasser ist, kundgibt. Bemerkenswert ist, dass der Verfasser den katholischen Verbin^- dungen gegenüber auch jenen Zwitterstandpunkt einnimmt, den wir in dem zuerst besprochenen Werke fanden. Er erkennt wohl, dass die katholischen Verbindungen wohl das Recht auf ihrer Seite haben, muss aber auch seinerseits ein sehr stark betontes „Leider" hinzufügen. Und obgleich er ferner die Selbstregulierung des studentischen Lebens un-

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