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Der jüdische Student · 1905-09-01 · Heft 3 (September 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 3 (September 1905)
Date
1905-09-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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-96 Die erste Schrift, von deren 199 Seiten 129 dem Anhang gewidmet sind, ist wegen dieses Anhanges, welcher sämtliche Urkunden, Verfügungen und Resolutionen in dem jüngst verwichenen Hochschulstreit bis zum Juni dieses Jahres enthält, für jeden unentbehrlich, der sich in die Einzelheiten dieses Streites einweihen will. Und wenn man diesem Streite eine historische Bedeutung im deutschen Studentenleben beimessen will, was Schreiber dieser Zeilen nicht tut, so würde hier das historische Material vorliegen. Jedenfalls kann man, ohne sich etwas zu vergeben, für die Zusammenstellung des Materials dem anonymen Verfasser, der eine in allen akademischen und gebildeten Kreisen Deutschlands wohlbekannte Persönlichkeit sein soll, seinen Dank aussprechen. Wie verhält es sich aber mit den vorangehenden 70 Seiten, welche die Verarbeitung des Materials in einer kritischen Darstellung enthalten? Da muss man freilich sagen: Diese 70 Seiten haben einen Fehler. Es gibt in ihnen keinen einzigen festen Punkt, zu dem eine Stellungnahme möglich ist. Die ganze Kritik ist weder Fisch noch Fleisch. „Sachlich," wie der Verfasser sagt. „Die bona fides ist bei allen am Streit beteiligten Parteien vorhanden gewesen." Was ist damit gesagt? — Aber noch mehr als das: Der Verfasser spielt den Staatsanwalt und Verteidiger .zugleich. Und wer sitzt auf dem Armesünderstühlchen? Alle und zwar abwechselnd: Studenten, Professoren und Minister. Schliesslich aber wird jeder freigesprochen oder verurteilt, wie man es eben nehmen will. Es ist ein immerwährendes: Zwar — aber, mag man auch — so muss man doch, unzweifelhaft — nichtsdestoweniger, auf der einen Seite allerdings — auf der anderen Seite jedoch u. s. w. u. s. w. Man sieht es mit unangenehmer Deutlichkeit, wie der Verfasser sich windet, wenn er tadeln muss, und unmittelbar, nachdem er den Tadel ausgesprochen hat, auf dem Wege der Milde wieder einlenkt. Tout comprendre c'est tout pardonner. Und wie er, wenn er die einen gelobt hat, sofort auch den anderen Zuckerbrot hinwirft, lim ja nicht ihren Neid zu erwecken. Ein Beispiel — ich könnte dreissig beibringen — will ich doch anführen, zumal da es auch von den jüdischen Studenten handelt. Auf Seite 10 spricht der Verfasser von der bekannten Denkschrift der Hannoveraner Studentenschaft an die anderen studentischen Ausschüsse, in welcher die rein konfessionellen Korporationen als schwere Gefahr gekennzeichnet werden. Dazu bemerkt er dann: „Unzweifelhaft enthalten diese Ausführungen vieles Wahre; nichtsdestoweniger schiessen sie aber über das Ziel hinaus. Solche Ideen der Unterdrückung konfessioneller oder religiöser Verbindungen auf den Hochschulen sind auch nicht neu. Es ist noch garnicht so lange her, dass die Parole lautete: Fort mit den jüdischen Verbindungen! Wie damals die Religion, so wird jetzt die Konfession der Gegenstand des Angriffs. Um nichts und wieder nichts entsteht die Abneigung gegen derartige Sonderbestrebungen nicht unzweifelhaft haben sich sowohl früher die jüdischen als auch jetzt die katholischen Verbindungen der grossen Mehrzahl der Studenten lästig gemacht; deshalb der Widerwille gegen sie. So gross der aber auch ist, darf darum die freiheitliche Forderung ihrer Beseitigung die völlige Unfreiheit der .anderen zur Folge haben? Gewiss nicht. Man mag aber noch so wenig

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