Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (September 1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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-;-95* bereites Streben und Kämpfen für höchste Ziele wird jeder bewundernd anerkennen müssen, das Gesamtergebnis seiner geistigen Leistungen aber lassen ihn nicht „als bahnbrechenden Geist, als Neuland erschliessenden Forscher" erscheinen. Ich glaube, dass das kommunistische Manifest seinen philosophischen Sozialismus mit den Worten „gewebt aus spekulativem Spinnweb, überstickt mit schöngeistigen Redeblumentfc richtig kennzeichnet. Mir ist seine dialektisch konstruierende Methode, ökonomische und historische Fragen zu behandeln, völlig unverdaulich. Diese Art, die Weltgeschichte in bestimmte Epochen einzuteilen, nur um eine vorgefasste Parallele mit der kosmischen und organischen Entwicklung herauszubekommen, entspricht seiner grosszügigen, aber ganz laienhaft fundamentierten Naturphilosophie. Nun geht Zlocisti und gehn wir alle bei der Bewertung von Hess vor allem von seiner Wirksamkeit als Jude aus. Und da muss man ihn in der Tat als einen der ersten nennen, der die Judenfrage als eine nationale erkannte, den Weg ahnte,, auf dem man an ihrer Lösung mit Aussicht auf Erfolg arbeiten könne, und für die national-jüdische Idee öffentlich eintrat. Die positive Wirkung von „Born und Jerusalem" war freilich eine sehr geringe und wohl nicht allein infolge des damaligen Zustandes der Judenheit. Trotz einer Fülle von geistvollen Bemerkungen über Emanzipation, Assimilation,. Reform und trotz des warmen jüdischen Gefühls, das aus jeder Zeile spricht, fehlt es dem Werk an der Geschlossenheit und Sachlichkeit, die es zum Ausgangspunkt einer grösseren Bewegung hätte machen können. Und die Einschachtelung der Judenfrage in sein grosses System, in dem er die totale Geschichte des „Kosmos" mit allen Fragen durchschaut und gelöst haben wollte, beschränken die Anregungskraft von „Rom und Jerusalem" auch für heute aufs äusserste. Kein anderes zionistisches Buch wird so häufig citiert und so selten ernstlich gelesen. Seine Ansichten über die Mission des jüdischen Volkes, der Hauptgrund für sein Nationaljudentum, können bei dem Gros der Zionisten wenig Beifall finden. Man kann auch ein recht selbstbewusster Jude sein, ohne seinem Stamme eine so überschwangliche Bedeutung für die Weltgeschichte und für die Erziehung der Menschheit zu geben. Für die Stärke und Reinheit seiner Empfindungen, für seine Hingebungsfähigkeit an Ideale spricht allerdings auch diese Ueberschwänglichkeit, und wir können uns freuen, durch die Zlocistische Biographie seiner sympathischen Persönlichkeit näher gekommen zu sein. Julius Jacobsohn. Der Hochschulstreit. Akademische Freiheit und konfessionelle Verbindungen. Darstellung und Kritik. Anhang: Urkunden, Verfügungen und Resolutionen. Von einem 70 Semester. Leipzig, H. A. Ludwig De gen er 1905. 199 Seiten. Die Kämpfe um die akademische Freiheit einst und jetzt» Eine Geschichte der Freiheit der deutschen Studenten, von Paul Baecke r, Herausgeber der „Akademischen Blätter". Prenzlau 1905, A. Mieck, 84 Seiten, Preis 80 Pfg. Bruno Weil: Juden in der deutschen Burschenschaft« Ein Beitrag zum Streit um die konfessionelle Studentenverbindung. Strassburg i. E.¬ Josef Singer 1905. 64 Seiten, Preis 1 Mark.