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Der jüdische Student · 1905-09-01 · Heft 3 (September 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 3 (September 1905)
Date
1905-09-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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•94 -:- Bücherschau. Moses Hess' Jüdische Schriften, herausgegeben und eingeleitet von Theodor Zlocisti, Berlin C. 1905 (Einleitung 171 S., Schriften 127 S.). Ich habe das Hess-Buch von Zlocisti mit ausserordentlicher Freude gelesen. Die wissenschaftliche Litteratur des Zionismus ist ja bisher recht ärmlich und speziell auf historischem Gebiet ist so gut wie nichts geleistet worden. Und nun beschenkt uns einer, den wir als begabten Lyriker und feinsinnigen Essayisten lieb gewonnen hatten, mit einem gross angelegten Werk über den Verfasser von „Rom und Jerusalem", das zugleich mit den gesammelten jüdischen Schriften von Hess erscheint. Seit dem Wiederdruck von „Rom und Jerusalem" (1899) ist über Moses Hess und sein „klassisches" zionistisches Buch so viel und mit so wenig Kenntnis von der Persönlichkeit des Mannes gesprochen worden, dass eine Darstellung seines Lebens und seiner Arbeit mehr als erwünscht war. Zlocisti ist es nun gelungen, Hess auf den viel verschlungenen Pfaden seines unstäten Lebens zu folgen, seine schriftstellerischen Leistungen auf sozialistischem, philosophischem und jüdischem Gebiete mit bewunderungswürdigem Pleiss kritisch zusammenzustellen und ein erschöpfendes Bild des eigenartigen Menschen zu geben. Mit fein nachempfindendem Verständnis führt er uns in sein Gefühlsleben ein, dass eine reine und rührende Liebe zur Menschheit, ein sehnsuchtsvolles Träumen für ihre Zukunft, ein überschwängliches Ergriffensein für höchste Ziele ständig beherrscht; mit liebevollem Eindringen in die schwierige Materie geht er der intellektuellen Entwicklung dieses Hegel- Schülers, anarchistisch-sozialistischen und zionistischen Theoretikers auf ihrem oft in schwindelnde metaphysische Höhe und unklare Spekulation führendem Wege nach. Obgleich man dem Buch die historische Gelehrsamkeit und Zuverlässigkeit an jeder Stelle anmerkt, hält es sich von philologischer Trockenheit gänzlich frei. Die Darstellung ist belebt von einer reichen, allzu reichen Fülle von Bildern, und weitausschauende Einblicke in die Geschichte der neuzeitlichen Emanzipation der Juden und in den Gang der sozialistischen Bewegung geben der Biographie einen bedeutsamen Hintergrund. — Enttäuscht war ich dagegen von den gesammelten „jüdischen Schriften" Moses Hess', zu denen die Biographie eigentlich nur die, allerdings an Umfang überlegene Einleitung sein soll. Es sind meist belanglose kleine Zeitungsartikel, Kritiken, Referate, theologische Abhandlungen und auch die umfangreicheren „Briefe über Israels Mission in der Geschichte der Menschheit" werden niemand als bedeutend imponieren, um so weniger, als ihr Inhalt schon in „Rom und Jerusalem" ausgeführt ist. Ueberhaupt kann man nicht sagen, dass Zlocistis Arbeit Moses Hess in eine besonders günstige Bedeutung gerückt hat. Er steht trotz der liebevollen Stellungnahme seines Biographen, die sich aus dessen psychologischem und ästhetischem Interesse an dem Gegenstand seiner Studien genügend erklärt, nicht als hervorragende Persönlichkeit da. Seinen „reinen, edlen, guten" Charakter zwar, sein unaufhörliches, opfer-

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