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Der jüdische Student · 1905-09-01 · Heft 3 (September 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 3 (September 1905)
Date
1905-09-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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allen kulturellen und sozialen Fragen innerhalb des Judentums anzuregen," hat sie, genau wie der Zionismus, das Bestreben, das nationale Moment in der Judenheit auszubilden. Da aber die Judenschaft seiner Zeit die bürgerliche Gleichberechtigung nur unter der Voraussetzung erhalten hat, dass zwischen den übrigen Teilen der Bevölkerung und der Judenschaft nur ein einziges trennendes Moment bestehe, nämlich das religiöse Bekenntnis, so ist man, nachdem die Judenschaft auch subjektiv die nationalen Verschiedenheiten zwischen sich und ihren Wirtsvölkern mehr hervorzuheben sucht, wohl berechtigt, die Frage der jüdischen Gleichberechtigung wenigstens insoweit einer Revision zu unterziehen, ob die Juden befähigt sind, im Geiste unserer Kultur und unserer nationalen Auffassung eine autoritative Stellung als Beamte des Staates einzunehmen. Gerade die jüdische Studentenschaft, die doch vermöge ihrer wissenschaftlichen Ausbildung solche Stellungen zu erlangen sucht, liefert der Oeffentlchkeit ein schätzenswertes Beweismaterial dafür, dass. man in der Verwendung des Judentums in amtlichen Stellungen um sc* vorsichtiger werden muss, je mehr die neue Generation die objektiv vorhandenen Nationalverschiedenheiten auch subjektiv ihren Mitgliedern zum Bewusstsein bringen und zur Pflicht machen will. Frankfurter Zeitung. Wenn der Kartellverband jüdischer Vereineseine Existenzberechtigung aus dem studentischen Antisemitismus, d. h. aus der Zurückweisung jüdischer Studenten aus vielen Verbindungen herleitet, so muss nun doch erst der Versuch in grösserem Umfange gemacht werden, ob wirklich die Vereine, die gegen die konfessionellen, Verbindungen zu Felde ziehen, fernerhin selber konfessionelle Abschliessung treiben. Vorgekommen ist das freilich in einigen Fällen, wie wir das auch schon gerügt haben, aber in richtiger Weise vor di.e Notwendigkeit gestellt, die Konsequenzen ihres Verhaltens zu ziehen, werden die Vereine sich doch wohl überlegen, ob sie sich den berechtigten Vorwurf der Unehrlichkeit und Heuchelei zuziehen wollen. Israelitisches Familienblatt (Hamburg). Wir müssen sagen, dasswir diese Stellungnahme nur als vollkommen angebracht erachten. Es. ist durchaus zutreffend, wenn die jüdischen Studentenvereine sich nicht als konfessionelle Verbindungen betrachtet wissen wollen, denn sie sind in der Tat lediglich das Produkt zwingender Verhältnisse. Sie beschäftigen sich keineswegs mit konfessionellen Fragen und sind nur, und zwar aus Zwang, in soweit jüdisch konfessionell, als die Korps und Burschenschaften, und zwar aus freier Erschliessung, christlich konfessionell sind. Letztere schliessen infolge dieses ihres christlich-konfessionellen Charakters Juden ihres Glaubens wegen aus, erstere sind dadurch gezwungen, sich eigene Stätten studentischen Lebens zu schaffen. Ebenso zutreffend und von unwiderleglicher Logik ist alles, was über den Begriff der akademischen Freiheit und die innere Unwahrheit gesagt wird, die darin liegt, dass man im Namen der akademischen Freiheit das freie studentische Koalitionsrecht zu unterdrücken unternimmt. Wir billigen es daher ausdrücklich, dass man in jüdischen Studentenkreisen es entschieden ablehnt, an dem Kampf gegen die katholischen Studentenverbindungen sich zu beteiligen — und zwar gerade aus dem wohlverstandenen Prinzip der unverfälschten akademischen.

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