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Der jüdische Student · 1905-09-01 · Heft 3 (September 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 3 (September 1905)
Date
1905-09-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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86 —-__ Jahrzehnte genommen hat, ist die Existenz der V. J. St.en mehr als berechtigt, sie ist einfach eine Notwendigkeit. Was nun den sogenannten „Kampf um die akademische Freiheit" betrifft, so sieht der B. J. C. in ihm nur einen Versuch, im Namen der akademischen Freiheit eines der wichtigsten Rechte der Studentenschaft, die Koalitionsfreiheit, zu Ungunsten der katholischen Korporationen zu unterdrücken. Man mag sich zum Ultramontanismus stellen, wie man will, auf jeden Fall ist die gewaltsame Unterdrückung der katholischen Korporationen ein Unrecht, und wenn sie gar im Namen der akademischen Freiheit geschieht, eine innere Unwahrheit. Zufolge der akademischen Freiheit muss allen Studenten das Eecht eingeräumt werden, sich auf Grund eines jeden Prinzips zusammenschliessen zu dürfen, gleichviel, ob die Majorität der Studentenschaft mit diesem sympathisiert oder nicht. Der B. J. C. lehnt es daher wie bisher ab, sich an dem Kampf gegen die katholisch-ultramontanen Studentenverbindungen zu beteiligen. * * * Presstimmen zu unserer Resolution . Germania: Wir wollen die Frage, ob die Vereine jüdischer Studenten konfessionell sind oder nicht — eigentlich ist der Begriff konfessionell nur für die verschiedenen Religionsgemeinschaften innerhalb der christlichen Kirche gebräuchlich, während die Juden eine besondere Religionsgemeinschaft bilden — unerörtert lassen. Dagegen erkennen wir mit Befriedigung an, dass der Verband jüdischer Studenten den Kampf gegen die katholischen Studenten-Korporationen mit aller Entschiedenheit ablehnt, und zwar mit der zutreffenden Begründung, das die antikatholische Studentenbewegung den katholischen Korporationen ein Unrecht zufügt, wenn sie denselben die Koalitionsfreiheit nicht gewähren will, und dass dieselben einer inneren Unwahrheit sich schuldig macht, wenn sie diesen Kampf gegen die katholischen Studentenkorporationen unter der falschen Flagge eines Kampfes für die akademische Freiheit führen will. Das Organ der jüdischen Studentenvereine, der Jüdische Student (2. Jahrgang, Quartalsheft 2 von 1905), bringt letzteren Oedanken noch deutlicher zum Ausdruck, indem es am Schluss eines Artikels (S. 40) über den Kampf gegen die katholischen Korporationen schreibt: „Selten ist ein Kampf mit mehr innerer Verlogenheit geführt worden wie dieser." Das stimmt. Post: Diese Resolution ist höchst interessant und wertvoll für die Beurteilung der Judenfrage. Der V. J. St. und der Gesamtverband, der B. J. C, geben zu, dass die sämtlichen jüdischen und judengegnerischen Bestrebungen mit dem religiösen Moment nichts gemein haben. Dies ist eigentlich auch vollständig natürlich, da das jüdische Bekenntnis keinerlei propagandistische Tendenzen und auch keine propagandistische Kraft hat, obwohl es der eigentliche geistige Mittelpunkt und das universelle Band für die Judenheit aller Nationen darstellt. Indem aber der V. J. St. den konfessionellen Charakter bestreitet, verzichtet er auch dauernd auf den Einwurf, als ob der Kampf gegen das jüdische Wesen sich gegen das innerlichste und persönlichste Besitzgut der religiösen Weltanschauung richtet. Indem sich ferner die jüdische Studentenschaft organisiert, um ihre Mitglieder, wie es in der Resolution heisst, „zur Stellungnahme zu

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