Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (September 1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 - teljahrsschrift erschien auch als ein rein literarisches Blatt im April 1904, und es hatte den Anschein, als wenn sie mehr Sympathien begegnete als die frühere Monatsschrift. Man war mit den literarischen Beiträgen zufriedener, und der Redakteur hatte auch nicht über eine allzu mangelhafte Mitarbeit zu klagen. Jedenfalls waren im ersten Jahrgang, der 17 literarische Arbeiten enthielt, zwölf V. J. St.'er als Mitarbeiter tätig. Das war fürs erste genug. Auch materiell war die Zeitschrift diesmal mehr als gedeckt. Allmählich machte sich aber auch hier im B. J. C. eine Gegentendenz bemerkbar. Man tadelte das Nurliterarische der Zeitschrift, sah ihre spezielle Bedeutung neben anderen Zeitschriften, die in Art und Qualität dasselbe boten, nicht ein und verlangte, dass sie den studentischen Interessen mehr entgegenkäme. Unter dem Drucke dieser Tendenz, die in Form von privaten und offiziellen Aeusserungen auf den Schreibtisch der Redaktion regneten, wurde der zweite Jahrgang (1905) mit der Eröffnung einer neuen Rubrik „Studentisches" begonnen. Die Aenderung wurde willkommen geheissen, schien aber doch nicht zu genügen, und der jüngst verflossene V. Kartelltag verlangte offiziell „neben der Wahrung des literarischen Charakters die Ausgestaltung der Zeitschrift im studentischen Sinne." — Diese Ausgestaltung durchzuführen, haben wir, die jetzige Redaktionskommission, uns zur Aufgabe gesetzt. Wir sind von dem Bewusstsein durchdrungen, dass auf diese Weise aus unserer Zeitschrift etwas zu machen ist. Die Zeitschrift hat ja schon ohne weiteres einen Vorzug vor den meisten anderen voraus: Sie ist die einzige auf ihrem Gebiete. Dieses Privileg kann und soll ausgebeutet werden. Es sollen in Zukunft neben literarischwissenschaftlichen Beiträgen Artikel aktueller studentischer Tendenz einhermarschieren, und der rein studentische Teil soll differenzierter gestaltet werden. Wir gehen mit Freude an die Arbeit. Und ebenso gross wie sie sind die Hoffnungen, die wir auf unsere Arbeit setzen. Eines aber muss uns von den Vereinsbrüdern, den jungen und alten, entgegengebracht werden: Interesse. Zunächst das Interesse des Lesens. Bis jetzt gibt es nämlich immer noch zahlreiche V. J. St.'er, die der Zeitschrift garnicht nachfragen. An der Zeitschrift liegt das nicht. Denn selbst wenn sie schlecht wäre, müsste sie gelesen werden, und es käme dann ein zweites Interesse in Betracht, das wir verlangen dürften: —