Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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64---■--•-■ aller drei Konfessionen ihre Aemter niederlegten und eine Versammlung freier Studenten einberiefen. In dieser Versammlung wurde denn auch mit 98 gegen 56 Stimmen folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung freier Studenten missbilligt den Beschluss des Beirats: „Der Beirat der Münchener freien Studentenschaft hält es nicht tür angebracht, dass Juden im Ausschuss sitzen" und fordert diejenigen Herren die damit nicht einverstanden sind, ihre Konsequenzen daraus zu ziehen." Man wählte eine Ausgleichskommission, an der aber schliesslich die Anhänger der Auffassung des Beirats die Teilname verweigerten. Darauf wurde von den Freunden der Resolution die Gründung einer neuen Finkenschaft unter dem Namen „Freie Vereinigung Münchener Finken" beschlossen, die auch vom Rektor bestätigt wurde. * * * Charlottenburg. Am 2. März veranstaltete der V. J. St. an der Technischen Hochschule eine jüdische Akademiker-Versammlung, in der Bbr. Wohlgemuth referierte. Leider war der Tag, der ebenso zum Beginn der Ferien wie zum Ende des Semesters gerechnet werden konnte, so schlecht gewählt, dass der Besuch ein spärlicher, der Erfolg daher gleich Null war. Die Debatte knüpfte an die Einladung an, die der V. J. St. hatte ergehen lassen, und in der es hiess: „Der V. J. St. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Interessen der gesamten jüdischen Studentenschaft an der Techn. Hochschule zu vertreten. Er glaubt dazu besonders berechtigt zu sein, da er nicht auf einem speziellen jüdischen Parteistandpunkt gegründet ist, sondern alle jüdischen Studenten umfasst, sofern sie jüdischer Abstammung sind und sich bewusst als Juden fühlen, mögen sie noch so verschiedenen Parteien innerhalb des Judentums angehören. Um aber eine Vertretung wirksam durchführen zu können, ist es unbedingt erforderlich, in steter Fühlung mit der gesamten jüdischen Studentenschaft zu bleiben und lassen die Unterzeichneten deshalb die obige Einladung an Sie ergehen/' Es entspann sich darüber eine Diskussion, ob in diesem Passus, *vie ein Mitglied der Wildenschaft erklärte, eine Anmassung liege oder nicht. Sonst wurden noch die prinzipiellen Fragen des modernen Judentums in Anknüpfung an unser Programm erörtert. * * * Wien. Auf dem in den ersten Märztagen hier stattgehabten zweiten deutschen Hochschultage wurde beschlossen, dahin zu wirken, dass die Juden nur im Verhältnis zu ihrer Zahl als Einwohner zum Studium zugelassen werden mögen. Daraufhin veranstaltete die jüdische Studentenschaft am 7. März eine Protestversammlung, weicher 600 Studenten und Studentinnen beiwohnten, und welche folgende Resolution per acclamationem annahm: