Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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_—- 63 Vorwürfe bieten, die den katholischen oder, besser gesagt, ultramontanen Korporationen von der Studentenschaft gemacht werden. Nun sind wir aber nicht einmal konfessionelle Korporationen, obgleich dies von schlecht unterrichteter Seite angenommen wurde. Zum ersten ist unser Ziel kein konfessionelles im Gegensatz zu den katholischen Korporationen, die in geistiger und materieller Abhängigkeit vom Zentrum ihre Mitglieder auf den konfessionell-politischen Standpunkt des Zentrumskatholizismus führen, der jede Meinungsäusserung einer selbständigen Persönlichkeit seinem Wesen nach ausschliessen muss. Wir sind zwar der Ueberzeugung, dass nur auf dem Boden der Reformation die hohe geistige und nationale Entwicklung möglich geworden ist, deren wir uns erfreuen, und dass ihre Errungenschaften, insbesondere Geistes- und Gewissensfreiheit, darum unbedingt festzuhalten sind. Wir denken aber nicht im geringsten daran, deshalb die religiöse Ueberzeugung Andersdenkender zu missachten. Zum Begriff der Konfessionalität gehört ferner die Ausschliessung Angehöriger anderer Bekenntnisse von der Mitgliedschaft. Die akademischen Ortsgruppen nehmen aber im Gegensatz zu den katholischen Korporationen auch Angehörige anderer Konfessionen auf, sobald sie sich auf ihren Boden stellen, und begrüssen insbesondere mit Freude die Bewegung unter den deutscnen Kommilitonen in Oesterreich, die obwohl katholischen Glaubens, zur Eettung ihrer deutschen Eigenart den Euf „Los von Rom" erhoben haben. Unter diesen Gesichtspunkten betrachten wir uns als interkonfessionell! Da wir es für unsere Pflicht ansehen, das Verständnis für das Wesen und die Bedeutung unserer deutsch-nationalen Kultur unter der akademischen Jugend zu verbreiten und zu fördern, so entspricht es unserm Ziel, dass die Akademischen Ortsgruppen auch Mitglieder von Korporationen, z. T. sogar Korporationen als solche aufnehmen, mithin interkorporativen Charakter tragen. Im Zusammenhang damit verzichten wir auf jede Repräsentation. Wir sind eben nicht Verbindung oder Verein in korporativem Sinne. Wir sind eine zwanglose Vereinigung, die nur durch die eigene Ueberzeugung der Mitglieder zusammengehalten wird. Unsere Aufgabe ist überhaupt im wesentlichen eine akademische, d. h. wir suchen uns historisch über das Wesen und die Grösse der ultramontanen Gefahr und über die beste Methode ihrer Bekämpfung zu unterrichten. In der Erkenntnis, dass dies unsere Pflicht ist, haben wir uns zusammengefunden und uns zur Kräftigung unserer Bestrebungen als Akademische Ortsgruppen an den Evangelischen Bund angeschlossen, der zurzeit als einziger zuverlässiger Kämpe das deutsche Volk über das Wesen des Ultramontanismus aufzuklären als seine vornehmste Aufgabe erachtet. 4. Der Beirat der Münchener freien Studentenschaft, der zusammen mit dem Ausschuss diese Organisation leitet, nahm nach dem 5B. T." am 15. Mai folgenden Beschluss an: „Der Beirat der Münchener freien Studentenschaft hält es nicht für angebracht, dass Juden im Ausschuss sitzen." Dieser Beschluss hatte zur Folge, dass Mitglieder