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Der jüdische Student · 1905-06-01 · Heft 2 (Juni 1905) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 2 (Juni 1905)
Date
1905-06-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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38 - Difficile satiram non scribere. Das dreihundertjährige Jubiläum des Don Quijote scheint einen Teil der deutschen Studenten begeistert zu haben, die Windmühlengefechte jenes edlen Spaniers mit seiner ganzen „närrischen Grandezza" nachzuahmen, obwohl dieselben heute nur das Schicksal verdienen, mit dem sie Cervantes für alle Zeit gebrandmarkt hat, die Lächerlichkeit. Wo sonst der Schläger und die kyprische Göttin absolut herrschen, werden ungewohnte Stimmen laut. Man kämpft für die Freiheit. Wer die deutschen Studenten kennt, wird verwundert und misstrauisch den Kopf geschüttelt haben, als er jenen Ruf vernahm. Die schönsten Gegenstände der Menschheit werden im ungeeigneten Mund zur eklen Phrase, und man wendet sich unwillig ab, wenn verlogene Buben eine Holzpuppe als Freiheit maskieren und verlangen, dass man den Hut vor ihr ziehe. Die Freiheit bedient sich aber manchmal solcher Gesslergesalten, die Schiller meinte mit seinem „Sklaven, die im Klang ihrer Ketten die Freiheit verschreien". Der Streit um die akademische Freiheit nahm Anlass und Triebfeder von der Frage der konfessionellen Verbindungen. Wenn ein Studentenausschuss aufgelöst wird, weil er die konfessionellen Verbindungen nicht vertreten will, so ist das recht und billig; denn es gehört eine grobe Missachtung des akademischen Bürgerrechts dazu, von einer Vertretung der gesamten Studentenschaft einer Hochschule einen Teil derselben auszuschliessen. Dieser Ausschluss ist noch immer die Losung. Aber in der Losung liegt eine mindestens unbewusste Lüge. Vor kurzem schrieb ein sozialdemokratischer Student in der „Neuen Zeit", dass es sich in Wirklichkeit nur um einen Kampf gegen die katholischen Korporationen handle. Für den Eingeweihten hätte es dieses fatalen Eingestehens nicht einmal bedurft. Eine politische Strömung, die das Centrum bekämpft, greift auf die Hochschulen über, und hier bekämpft man die katholischen Vereine als Herd der römischen Verseuchung. Dieser Kampf würde uns nicht angehen. Habeant sibi! Nun wird aber ganz en passant von jenen akademischen Freiheitskämpfern auch über die protestantischen und jüdischen Verbindungen das „anathema sitl" ausgerufen, natürlich nur unter dem Einfluss einer logischen Zwangsjacke; denn die Katholiken allein anzugreifen, wäre zu durchsichtig, und Parität ist ja eine liberale Forderung. — Mit der Konstatierung dieser inneren Lüge entfällt eigentlich die

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