Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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__,-- 37 dehnung gewonnen und auch die Klasse der geistigen Arbeiter ergriffen. Es sind Kampf Organisationen der Kaufleute und Techniker, der Aerzte und Rechtsanwälte entstanden, Vereinigungen, die um so mehr Juden in sich bergen, als die Juden in ihrer überwiegenden Anzahl diesen Berufsständen angehören. Die Erscheinung, die sich im vorigen Jahrhundert zeigte, dass die jüdische Intelligenz völlig in Anspruch genommen wurde durch die politischen Kämpfe ihrer Wirtsvölker, droht sich jetzt fortzupflanzen in der Teilnahme der Juden an den sozialen Kämpfen der Gegenwart, und, dass es sich hier nicht bloss um theoretische und ideologische, sondern um greifbare Interessen handelt, vergrössert noch die Gefahr. So spitzt sich das Problem in der Frage zu: Wie können wir der assimilierenden Wirkung des wirtschaftlichen Lebens entgegentreten? Ein Mittel, das dem wirtschaftlichen Leben selbst entnommen ist, wäre die berufliche Organisation der Juden. Für den Osten, wo jüdische Massen unter gleichartigen ökonomischen Bedingungen leben, ist dies auch ein ungemein aussichtsreicher Weg, im Westen dagegen dürfte damit wenig zu erreichen sein. Hier sind die Juden örtlich und beruflich zu sehr zersplittert und zu gering an Zahl, um besondere Organisationen zu bilden, die Erfolge erzielen könnten. Die einzige Bewegung, die zurzeit tätig ist mit der Möglichkeit, dieser inneren Schwierigkeiten Herr zu werden, ist die moderne und nationaljüdische. Jeder, der einmal die begeisternde Wirkung des nationaljüdischen Gedankens an sich und anderen erfahren hat, weiss, dass sich hier unserem Stamme eine Quelle von Leben spendender Kraft eröffnet hat. Wenn es uns gelingt, das Judentum auf eine nationale Basis zu stellen — eine Umwandlung, die übrigens die tiefen Seiten unseres Wesens, wie sie früher in der religiösen Lebensführung zum Ausdruck kam, nicht so einfach wird negieren können, als es vielfach von seiten der modernen Nationaljuden geschieht —, so haben wir ihm damit nicht nur eine Grundlage gegeben, die allen modernen Ansprüchen genügen kann, sondern wir haben auch die alten Bande der Zusammengehörigkeit aufs neue befestigt und eine neue Möglichkeit jenem Gedanken verschafft, der uns beherrschen muss, solange wir überhaupt existieren, dem Gedanken an die Zusammenfassung aller zerstreuten Glieder unseres Volkes in ein grosses nationales Gemeinwesen.