Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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-31 lungen nicht allzu hoch anzuschlagen zu sein, da inzwischen der bekannte Berliner Universitätsrichter Geheimrat Daude zum Syndikus der Hochschule ernannt wurde, was auf die Charlottenburger Studentenschaft erregend wirkt. — Jedenfalls trat am 18. Februar der in Aussicht genommene Verbandstag der technischen Hochschulen zu Eisenach zusammen, und ist der weitere Verlauf der Bewegung abzuwarten. * * * Der V. J. St. ist noch immer der einzige jüdische Verein an der technischen Hochschule zu Charlottenburg. Der K. C. hat vor ca. 2 Jahren die Erlaubnis erhalten, eine Verbindung Haevellia zu begründen, hat aber bis heute noch nicht aufgetan. Jetzt endlich hat sich wieder ein Verein national-jüdischer Studenten aus Rumänien „Haebronia" angemeldet, nachdem die „Ivria" vor zwei Jahren bereits eingegangen war. « * Berlin. Wie uns aus sicherer Quelle berichtet wird, beabsichtigt die Freie Verbindung Hasmonaea im nächsten Semester in München eine Zweigverbindung aufzutun, dasselbe soll in Charlottenburg geschehen, doch sind Schritte noch nicht getan worden. * * * Am 18. Januar fand der alljährliche grosse Kommers des „Vereins deutscher Studenten" im Krollschen Theatersaale statt. Der Kronprinz und Prinz Eitel- Friedrich waren anwesend und drückte der Kronprinz, nachdem er die antisemitische Tendenzrede angehört hatte, seine „grosse Freude" aus, „heute Abend in ihren Reihen weilen zu dürfen" und wünschte dem V. D. St. ein Vivat crescat, floreat. Die liberalen Blätter nahmen dies ad notam und es erschien darauf hin in der Deutschen Zeitung ein Artikel des Alten Herrn im V. D. St. Dr. Karl Böhme, den wir hier im Auszug mitteilen: Die jüdische Presse hat sich in zahlreichen Aeusserungen der letzten Tage mit zum Teil echter, zum Teil gekünstelter Entrüstung darüber aufgehalten, dass der Kronprinz des Deutschen Reiches mit seinem Bruder den Festkommers des antisemitischen Vereins deutscher Studenten besuchte. Wir wollen hier nicht untersuchen, ob die Bezeichnung „antisemitisch" für den Kyfthäuser-Verband als ganzen unbedingte Berechtigung hat, da ein Bekenntnis zum Antisemitismus von keinem Mitgliede gefordert wird, und der Verband in der Tat auch Mitglieder hat, wie z. B. Plarrer Naumann, die auf jedem anderen, nur nicht antisemitischen Standpunkt stehen und bisher noch nicht auf ihre Würde als A. H., A. H. des Verbandes verzichteten. Wir wollen vielmehr zugeben, dass die ungeheure Mehrheit der Verbandsmitglieder gewisse allgemeine antisemitische Ueberzeugungen besitzen, die sich etwa in folgenden Sätzen zusammenfassen lassen: 1. „Die höchste Kultur wird nur dann hervorgebracht, wenn es jedem Volkstum ermöglicht wird, sich in denkbar grösster Reinheit zu entwickeln. Deshalb ist es notwendig, den Gegensatz zwischen deutscher und jüdischer Denkart und Geistesrichtung, die etwas grundsätzlich Verschiedenes sind, auf allen Kulturgebieten klar zu legen. 2. Die Geschichte des Judentums hat gezeigt, dass es keine staatsbildende, sondern eine staatszersetzende Kraft gewesen ist, wie das auch seine politischen Freunde, z. B. Theodor Mommsen, durchaus anerkannt haben. Deshalb erfordert es der Selbsterhaltungstrieb des deutschen Volkes, dass es an die Spitze seiner politischen, wirtschaftlichen und allgemein kulturellen Vereinigungen im grossen wie im kleinen deutsche Männer stellt und den jüdischen Einfluss beseitigt."