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Der jüdische Student · 1905-03-01 · Heft 1 (März 1905) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 1 (März 1905)
Date
1905-03-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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30 Dies wurde im Ministerium übel aufgenommen, und als sich bald darauf in der Absendung einer Depesche durch den Ausschuss nach Insbruck (November 1904), welche zu den dortigen Ereignissen Stellung nahm, Gelegenheit bot, mischte sich das Ministerium (Ministerialdirektor Althofi) ein und unter seinem Drucke wurde nun durch die akademischen Behörden der Ausschuss aufgelöst, seine Kasse beschlagnahmt und vor allem die Absendung der Denkschrift unterbunden. Daraufhin setzten an tausend Studenten, fast die ganze akademische Jugend Hannovers, ihren Namen unter ein Schriftstück, in welchem den akademischen Behörden, die unter dem Drucke von oben ihre Stellungnahme plötzlich geändert hatten, mehr oder weniger offen ein Misstrauensvotum ausgesprochen wurde, welches grosse Aufregung hervorrief und die Professoren zur Einstellung ihrer Vorlesungen bewog. Die Studenten wurden schliesslich zu einer Abbitte-Resolution gezwungen, doch war damit die Angelegenheit nicht erledigt und dass sie dort noch heute im Gange ist, beweist die Akademiker-Versammlung vom 9. Februar, auf der nun auch die älteren Akademiker Hannovers Stellung zu nehmen begannen. Immerhin hat sich im Laufe der Ereignisse der Kampf etwas verschoben, indem aus dem Kampfe gegen die konfessionellen Verbindungen allmählich ein Kampf um die „akademische Freiheit" wurde, die man im Ministerium „nicht kennen" wollte. Stellung zu dieser Frage nahmen allmählich sämtliche deutschen Hochschulen mit Ausnahme von Danzig und München, ferner die Universitäten von Bonn, Göttingen, Heidelberg, Leipzig, Berlin, Freiburg und Jena. Von besonderem Interesse für uns sind die Vorgänge an der technischen Hochschule zu Charlottenburg. Dort wurde die Frage schon Juli 1904 angeschnitten, indem auf einer Studenten Versammlung der Ausschuss beauftragt wurde. Material über die konfessionellen Verbindungen zu sammeln und einer neu einzuberufenden Versammlung geeignete Anträge zu unterbreiten. Auch an den Verein jüdischer Studenten erging nun seitens des Ausschusses eine Anfrage, die mit Einsendung unserer Statuten und einer Erklärung, dass wir nicht ein konfessioneller Verein seien, beantwortet wurde (6. August 1904). Gemäss dieser Erklärung betonte darauf der Ausschuss in einer ausserordentlichen Studentenversammlung am 22. November, dass der V. J. St. nicht als konfessionell, sondern als jüdisch - national zu betrachten sei. Die Versammlung fasste den Beschluss, bei Rektor und Senat zu beantragen, dass die beiden an der Hochschule eingeschriebenen katholischen Verbindungen aufgelöst, neue nicht gegründet wurden und weitere Verhandlungen in dieser Frage auf einem zu diesem Zwecke einzuberufenden Verbandstage aller technischen Hochschulen gepflogen werden sollten. Auf die Anträge wurde zuerst seitens der akademischen Behörden nicht geantwortet, bis am 19. Januar 1905 folgendes Verbot von ihnen erlassen wurde: 1) Die Frage der konfessionellen Verbindungen dürfe nicht mehr erörtert werden. 2) Man dürfe mit anderen Hochschulen dieserhalb nicht in Verbindung treten. 3) Es dürfe in dieser Angelegenheit keine Mitteilung an die Presse gelangen. 4) Ueber das Verbot selbst dürfe nicht verhandelt werden. — Zugleich wurde auch hier der Studentenausschuss aufgelöst. Die Studentenschaft antwortete mit einer Versammlung, welche in einer Resolution an Rektor und Senat die Bitte richtete, die erlassenen Verbote zurückzuziehen. Zugleich wurde eine Kommission eingesetzt, welche die Interessen der Studentenschaft wahrnehmen sollte. Diese berief auf den 1. Februar eine neue Studentenversammlung, auf deren Beschluss ein offener Brief an das Ministerium gerichtet wurde, der bis heute unbeantwortet blieb. Augenblicklich verhandelt die Kommission mit dem Ministerium, doch scheint der freundliche Ton dieser Verhand-

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