Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537636-3537637--0381-3538447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22---—-■-■-:-- ein Gesetz unterbreitet, in dem es hiess, dass jeder, der 18 Jahre alt geworden sei, zu welcher Religion auch immer übertreten könne, selbstverständlich auch zu der der jetzt emanzipierten Juden. Gross war die Freude der letzten Sabbatarier, etwa 200, die alle in dem Dorfe Bözöd-Ufjalu oder in dessen Umgebung als Scheinchristen lebten, als sie dies erfuhren, Sie übersahen, dass dies nur ein Gesetzentwurf war und noch nicht ein sanktioniertes Gesetz. Nim schickten sie an das ungarische Kultusministerium ein Gesuch ab, in dem sie baten, die hohe Regierung möge sie, die schon seit langer Zeit als Juden angesehen würden, in der Reihe der übrigen Juden als Juden anerkennen. Jedoch, bevor noch ihr Gesuch erledigt war, gingen sie daran, ihren Übertritt zu verwirklichen. Immer mehr von den Sabbatariern meldeten bei den Pfarrern in Bözöd-Ufjalu ihren Austritt aus den christlichen Kirchen an, und trotz der Auseinandersetzung der Schwierigkeiten ihres Vorhabens von Seiten der jüdischen Kultusbeamten der nächsten Gemeinde bestanden sie darauf, in das Judentum aufgenommen zu werden, und unterzogen sich der schmerzhaften Operation der Beschneidung. Der Übertritt der Sabbatarier, deren Existenz im Lande so gut wie unbekannt war, erregte allgemeines, der christlichen Kirche unliebsames, Aufsehen. Die Behörden des Bezirks, in dem die Sabbatarier wohnten, suchten deshalb die zum Judentume Übergetretenen zur Rückkehr in die christliche Kirche zu zwingen, da die oben erwähnte Gesetzesvorlage noch nicht Gesetz geworden war. In einem abermaligen Gesuche baten die hartbedrängten Sabbatarier das Ministerium um Unterstützung. Nun schwankte der liberale ungarische Kultusminister Eötvös, der inzwischen auch die Angaben des ersten sabbatarischen Gesuchs als richtig anerkannt hatte, nicht mehr zu verordnen, dass die behördlichen Organe jeden ferneren Versuch, die zum Judentume übergetretenen Sabbatarier zurückzubekehren, zu unterlassen hätten. Und so konnten sich diese jetzt zu einer israelitischen Proselyten- Gemeinde in Bözöd-Ujfalu" zusammenschliessen, welche unter dieser Bezeichnung noch heute besteht, obwohl jetzt bereits einige als Juden geborene Familien zu ihr gehören. Die 136 Seelen zählende Gemeinde ist streng orthodox. Sie besitzt zwar ein eigenes Bethaus und eigens angestellte Kultusbeamte, befindet sich jedoch leider in höchst ärmlichen Verhältnissen, die auch verschiedentliche, allerdings kleine Unterstützungen von jüdischer Seite nicht aufbessern konnten. Fünf sabbatarische Familien leben noch heute in Bözöd-Ujfalu,