Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber trotzdem fand das Sabbatariertum ein immer stärker anwachsende Anzahl von Anhängern, meist Szekler Bauern und Angehörige des Szeklers hohen Adels und Kleinadels. Einen noch grösseren Aufschwung nahm das Sabbatariertum vom Jahre 1623 an, von welcher Zeit an Simon Pechi, der Adoptivsohn Eössis, in seine Geschicke mit leitender, fördernder Hand eingriff. Seltsam bewegt sind die Schicksale dieses Mannes, der der Held und Märtyrer des Sabbatariertums werden sollte. Pechi wurde wahrscheinlich um das Jahr 1640 geboren. Nachdem er, von seiner grossen Reise zurückgekehrt, im Jahre 1599 Erbe vonEössi geworden, finden wir ihn im Jahre 1601 als Sekretär des Fürsten Bathori. Im Jahre 1613 von dem Fürsten zu Siebenbürgen erwählten Gabriel Bethlen zum Mitglied des Staatsrats und zum Kanzler des Reiches ernannt. Auf der Höhe seiner Macht wurde das Vertrauen, das Bethlen in ihn setzte, durch Intriguen von Neidern erschüttert -und er plötzlich, es war im Jahre 1621, verhaftet. Im Jahre 1623 erst wurde er auf die Bitte und Bürgschaft der Landstände hin freigelassen. Von seinem konfiszierten Gütern wurde ihm nur Szent - Erzsebet zurückgegeben, und er musste eidlich geloben, seinen dortigen Herrensitz nie mehr zu verlassen. Pechi hatte nie aufgehört, der sabbatarischen Religion treu anzuhängen. Allerdings war es ihm als Reichskanzler unmöglich gewesen, offen für die verbotene Religion zu wirken, musste er sich doch, wie die meisten Sabbatarier, um sich vor Verfolgungen zu schützen, als Unitarier ausgeben. Nach seinem Sturze hatte er im Gefängnis Müsse, sich mit religiösen Fragen zu beschäftigen. Und er kam zu dem Schlüsse, dass das Sabbatariertum sich noch entschiedener dem Judentum zuwenden müsste, um zur Wahrheit zu gelangen. Und so sehen wir ihn denn, nachdem er seine Freiheit wiedererlangt hatte, mit Eifer für die Fortentwicklung des Sabbatariertums arbeiten und die Blütezeit dieser Religion herbeiführen. Er schuf eine Litteratur, der das Sabbatariertum die Bedingung für seine mehrhundertjährigen Bestand verdankte, und die ausserdem in wissenschaftlicher Beziehung von grosser Bedeutung ist. Die meisten dieser Schriften sind Uebersetzungen, Zusammenstellungen und Erklärungen von Stücken aus ber jüdischen Litteratur, die zur Verbreitung jüdischen Geistes und jüdischer Sitte unter den Sabbatariern viel beigetragen haben. Mit seiner Schrift „Gebet- und Ritualienbuch" gab er ihnen eine gleichförmige, feststehende,