Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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---_-.--17 eine feste Grundlage zu sehaHen. Sie ist zusammengefasst im sogenannten „Alten Sabbatarierbuch", das in den Jahren 1600 bis 1628 niedergeschrieben wurde, dessen Inhalt aber schon in einer irüheren Zeit geschaffen worden war. Es ist in ungarischer Sprache abgefasst und enthält verschiedene Gebete, darunter auch schon Uebersetzungen jüdischer Gebete, ferner eine Zusammenfassung und Erklärung biblischer Gebote und endlich polemisierende Abhandlungen gegen andere Religionen. Von dem Eifer und dem Opfermut der Verfasser dieser Abhandlungen legt folgender in ihnen vorkommender Passus beredtes Zeugnis ab: „Ich kann von wegen der Armut nicht so ausführlich schreiben, wie es vielleicht wünschenswert wäre, denn seit einigen Tagen habe ich keinen einzigen Heller mehr." Umfangreicher als die prosaische ist die poetische Litteratur dieser ersten Epoche des Sabbatariertums. Sie ist uns fast vollständig erhalten geblieben. Eine bedeutende Rolle fällt in ihr naturgemäss dem Kirchengesange zu. So gab es schon im Jahre 1600 ein vollständiges sabbatarisches Gesangbuch, dass in den nächsten 20 Jahren durch Nachträge vermehrt wurde und so das sogenannte „Alte Sabbatarische Gesangbuch" darstellt, in dem ein grosser Teil der enthaltenen Lieder von grosser dichterischer Schönheit ist. Das formvollendeteste Werk der alten sabbatarischen Poesie ist das Psalterium von Nikolaus Bogathi, eine mehr oder weniger freie poetische Wiedergabe der Psalmen in ungarischer Sprache. Bogathi war zur Zeit des Auftretens von Davidis unitarischer Geistlicher gewesen und wurde einer der eifrigsten Anhänger dieses Mannes. Auch er gelangte allmählich zum sabbatarischen Standpunkte. In seinem Psalterium benutzt er jede Gelegenheit, um das Judentum und die Juden zu verherrlichen. Folgende Stelle möge dies beweisen. (Psalm 87, Vers 3—-5.) So seh ich's, wenn hinaus ich blicke, Und alle Völker überblicke: Dann kann mein Aug' kein Volk erreichen Das dir, o Judenvolk, ich könnt' vergleichen. In Babel Einen, Zwei sie wiesen Die man als Weise hochgepriesen. In Zion alle man so nennet Weil jeder Jude wahrhaft Gott erkennet.