Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 1 (März 1905)
- Date
- 1905-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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16 -*---:-,--:-—- der christlichen Kirche nicht das Recht zustehe, Vorschriften des alten Testaments aufzuheben und zu modifizieren, dass dieselben vielmehr für alle Zeiten und für alle Menschen verbindlich seien. So fingen sie jetzt schon an, die Hauptvortschriften des alten Testaments zu befolgen. Dieser ihrer judaisierenden Richtung wegen erhielten sie auch den Namen „Judenzer" neben dem Namen Sabbatarier, der ihnen wegen der Feier des Sabbats beigelegt wurde, die den andern am meisten auffiel. Wie sie diese Namen auffassten, zeigt uns folgendes aus jener Zeit entstandene Gedicht; Wir freu'n uns dessen nur — sie, freilich, können es nicht fassen — Das grad nach dem Gesetz, das Gott als Zeichen hat erlassen, Die Juden daran zu erkennen, Sie uns, als wenns ein Schimpfwort war, stets pflegen zu benennen. Wir weisen nimmermehr von uns des heil'gen Sabbats Namen, Wir bleiben Sabbatarier, wenn auch in Teufels Namen Man uns verfolgt, und wir ertragen Ergeben Leid und Grausamkeit, und freudig alle Plagen. Eössi, der Führer der ganzen Bewegung, fasste die Grundlehren des neuen Glaubens in zahlreichen religiösen Dichtungen, namentlich umfangreichen Lehrgedichten, und in heftigen Polemiken gegen die anderen Religionen zusammen. Er liess diese Schriften im Geheimen verbreiten. Durch sie gewann er den Sabbatariern eine stattliche Anzahl von Anhängern. Am meisten Nutzen aber brachte Eössi dem Sabbatariertum dadurch, dass er nach dem Tode seiner Kinder den hochbegabten Erzieher derselben Simon Pechi, adoptierte, dem es bestimmt war, eine Epoche der Blüte für die junge Religion herbeizuführen, Eössi gewann ihn für seine religiösen Anschauungen und liess ihn dann eine langjährige Reise in fernere Länder antreten. Seine Reisezeit benutzte Pechi hauptsächlich dazu, sich mit der hebräischen Sprache und rabbinischen Litteratur bekannt zu machen, auf welchen Gebieten er sich umfangreiche Kenntnisse erwarb. Im Jahre 1599 kehrte Pechi wieder in die Heimat zurück. Einige Stunden nach seiner Rückkehr starb Eössi. Auf seinem Sterbebette hatte er Pechi zum alleinigen Erben seines Reichtums eingesetzt. Durch die zahlreichen Schriften Eössi's angeregt, schufen seine Schüler, die ersten Anhänger des Sabbatariertums, eine religiöse Litteratur, die noch in den uns erhaltenen Ueberresten als bedeutend und umfangreich bezeichnet werden muss. Die prosaische Litteratur sucht dem neu entstandenen Religionssystem